Delligsen (red). Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 1175-jährigen Ortsjubiläum wurde in Delligsen dem jüdischen Tierarzt Ludwig Rosenthal gedacht. Vor dem Gebäude Hilsstraße 35 enthüllten Bürgermeister Stephan Willudda (parteilos), Heimatforscher Wolf-Dieter Gutsch, Rosenthals Enkeltochter Lydia Löhken sowie Fachbereichsleiterin Annette Allruth eine Gedenktafel, die künftig an das Schicksal des angesehenen Arztes erinnert.
Ein Leben voller Anerkennung und Verfolgung
Rosenthal, 1882 im fränkischen Altenschönbach geboren, ließ sich nach seinem Studium der Tiermedizin in Delligsen nieder. Als Tierarzt fand er große Anerkennung und war durch seine Ehe mit einer Nichtjüdin fest im Ort integriert. Dennoch wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt: Am 10. November 1938 verwüsteten SS-Angehörige Wohnung und Praxis, Rosenthal wurde für vier Wochen ins KZ Buchenwald gebracht. Nach seiner Entlassung durfte er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Als er 1945 die Aufforderung zur Deportation nach Theresienstadt erhielt, nahm er sich das Leben, um der Verfolgung zu entgehen. Rosenthal wurde auf dem Delligser Friedhof beigesetzt.
Mahnung zur Wachsamkeit
Bürgermeister Stephan Willudda erinnerte in seiner Ansprache daran, dass es die Pflicht aller sei, wachsam zu bleiben: „Wir dürfen niemals zulassen, dass sich derartiges Unrecht wiederholt.“ Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen an der bewegenden Zeremonie teil.
Forschung machte Gedenken möglich
Die Gedenkfeier geht auf die Initiative des fränkischen Heimatforschers Wolf-Dieter Gutsch zurück, der 2022 bei der Gemeindeverwaltung nach Rosenthals Schicksal fragte. Durch intensive Recherchen in Archiven und Gespräche mit Nachfahren konnte die Geschichte rekonstruiert werden. Gutsch war eigens aus Bayern angereist und hielt im Anschluss einen Vortrag, untermalt mit Bildern aus einem alten Familienalbum.
Auch Enkeltochter Lydia Löhken, die ihre Kindheit in Delligsen verbracht hatte, war aus Heidelberg angereist. Gemeinsam mit Gutsch, Willudda und Allruth enthüllte sie die Gedenktafel. „Diese Tafel soll für alle Zeiten an das schwere Schicksal Ludwig Rosenthals erinnern. Sehen Sie sie sich bei Gelegenheit genauer an und erzählen Sie es weiter“, appellierte Bürgermeister Willudda.
Eine weitere Gedenktafel in Delligsen erinnert bereits an die jüdische Ärztin Paula Tobias.
Foto: Gemeinde Delligsen