Holzminden (red). Die Veranstaltungsform „Wandern und Politik“ hat sich nach Ansicht des Landtagsabgeordneten Uwe Schünemann mehr als bewährt. „Herzlichen Dank allen, die sich mit mir auf den Weg durch das Weserbergland begeben haben“, so der CDU Politiker. Die wunderschönen Landschaften dieser Region hätten alle trotz der hohen Temperaturen genießen können. Von den Wanderpaten wurden Routen durch schützende Wälder gewählt. Gleichzeitig habe er hilfreiche Impulse zu wichtigen Themen erhalten. Dazu hätten die Diskussionsrunden mit den Experten aus den verschiedenen Fachbereichen nach dem Grillen aber auch die vielen Einzelgespräche beim Wandern beigetragen.

Immer wieder wurde der Fachkräftemangel im Landkreis Holzminden angesprochen. Im Handwerk, in der Gastronomie, in den Kindergärten und bei der Gesundheitsversorgung fehle ausreichender Nachwuchs. Dabei bieten die berufsbildenden Schulen Holzminden optimale Bedingungen für eine qualifizierte Ausbildung. Der Staatsvertrag mit Nordrhein-Westfalen ermögliche beste Kooperationsmöglichkeiten. Allerdings müsse die Vereinbarung auch mit Leben erfüllt werden. Kurze Wege für die Auszubildenden sollten grundsätzlich vor Kammerbezirksgrenzen stehen. Für Uwe Schünemann ist die Einführung der dualen Ausbildung für Erzieher und Pfleger eine große Chance. Ausbildungsvergütung statt Schulgeld sei der richtige Weg. Bemängelt wurde die Wertschätzung für die einzelnen Branchen. Hier müsse zukünftig viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. „Wichtig ist aber auch eine hohe Qualität der Ausbildungsbetriebe“, so Carsten Dauer vom DeHoGa Kreisverband und begrüßt die Wiedereinführung des Nachweises über die berufs- und arbeitspädagogische Qualifikation in der Gastronomie. Uwe Schünemann erfuhr von jüngsten Erfolgen bei der Übernahme von Arztpraxen im Landkreis Holzminden. Entwarnung könne aber keineswegs gegeben werden. Landarztquote, zusätzliche Studienplätze für Medizin und Stipendien würden nur mittel- und langfristig helfen. Das Fazit der Diskussionsrunde mit der Vizepräsidentin der Ärztekammer Dr. Maria Charlotte Renneberg zum Thema Gesundheit lautet: Förderung von Gesundheitszentren, der Telemedizin und von qualifizierten Dorfschwestern. 

Beeindruckt zeigte sich der heimische Landtagsabgeordnete über die von Rita Harre vom Palliativnetz Holzminden vorgestellten Pläne für ein Hospiz in Stadtoldendorf. Die Begleitung von Schwerstkranken werde zurzeit durch ambulante Dienste mit hohem Engagement durchgeführt. Durch das zukünftige stationäre Angebot würde eine Versorgungslücke für die gesamte Region geschlossen. „Die hier Tätigen verdienen höchsten Respekt“, so Uwe Schünemann. Mit einer Mitgliedschaft im Förderverein Solling-Hospiz Christine Amalie e.V. kann man einen kleinen Unterstützungsbeitrag leisten.

Beklagt wurden die hohen bürokratischen Hürden von Förderprogrammen des Landes für Investitionen. Das gelte insbesondere bei Projekten in den Bereichen Touristik, Innenstadtbelebung, Dorferneuerung und Wohnungsbau. Die Idee, stärker auf Zielvereinbarungen zwischen Kommunen und Landesregierung mit einem festgelegten Gesamtbudget für Strukturmaßnahmen zu setzen, wurde ausdrücklich von den Vertretern der Kreishandwerkerschaft mit Geschäftsführer Ronald Tolle und dem stellv. Kreishandwerksmeister Detlev Struck an der Spitze begrüßt. Besonders wohl haben sich die Wanderer auf dem Hof der Familie Liesch in Stadtoldendorf gefühlt. Leckere Burger und eine herzliche Aufnahme haben dazu beigetragen. Die Forderung von Kreislandwirt Frank Kohlenberg, die verpflichtende Stilllegung von landwirtschaftlichen Flächen aufgrund der Ukrainekrise auszusetzen, wurde nachhaltig unterstützt. Der unfassbare Angriffskrieg von Putin dürfe nicht auch noch zu einer Hungerkatstrophe führen. Der „Niedersächsische Weg“ sei eine Herausforderung für die Landwirtschaft bei der Transformation zur Nachhaltigkeit. Wenn die wertvollen Beiträge für Natur- und Tierschutz angemessen vergütet werden, werden es die landwirtschaftlichen Betriebe schaffen. 

Die Förderung des Ehrenamtes liegt Uwe Schünemann besonders am Herzen. Der Vorsitzende des Kreissportbundes Bernd Wiesendorf und der Regierungsbrandmeister Dascho Wehner waren zusammen mit Vereinsvertretern und Führungskräften der Freiwilligen Feuerwehren zur letzten Wanderung nach Bevern gekommen. Die Wünsche des Ehrenamtes lassen sich so zusammenfassen: „Verlässliche Förderung, Bürokratieabbau und moderne Infrastruktur“. Das müsse auch in strukturschwachen Regionen umgesetzt werden.

Eine Steilvorlage für Uwe Schünemann: „Höhere Fördersätze für Vereine aus finanzschwachen Regionen oder vereinbarte Förderbudgets unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der Kommunen sind unsere Ziele für die kommende Legislaturperiode“. Zudem müssten Sonderbedarfszuweisungen für den Bau von Feuerwehrgerätehäusern ermöglicht werden. Ein ganzes Maßnahmenbündel habe die Enquete-Kommission „Ehrenamt“ des Landtages zusammengetragen. Jetzt komme es auf die konsequente Umsetzung an. Mit einer umfassenden Novelle des Brandschutzgesetzes sollten die Rahmenbedingungen für die Feuerwehren erheblich verbessert werden. Das Gesetz müsse bereits 2023 in Kraft treten.

„Wir leben in einer außergewöhnlich schönen Region, mit engagierten Menschen“, so lautet das Fazit von Uwe Schünemann nach den Wanderungen. Darüber sollte häufiger positiv gesprochen werden. Eine konzertierte Imagekampagne wäre nach Ansicht von Geschäftsführer der Solling-Vogler-Region Weserbergland e.V. Manuel Liebig lohnend. „Unsere außergewöhnliche Natur zu bewahren und gleichzeitig erlebbar zu machen, ist das Ziel des Naturparks Solling-Vogler“, so Uwe Schünemann. „Herzlichen Dank für das großartige Engagement!“ Der Geschäftsführerin des Zweckverbandes Claudia Wolff versprach er, sich für die Verstetigung der institutionellen Förderung einzusetzen. Eine echte Bereicherung sei der Bundesfreiwilligendienst in und für die Natur. Kurzentschlossene könnten sich noch bewerben.

Foto: CDU