Stadtoldendorf (rus). Der Rat der Stadt Stadtoldendorf war sich einig: Das langjährige Engagement besonderer Menschen der Stadt Stadtoldendorf verdient besondere Anerkennung. Aus diesem Grund schuf man mit dem Ehrenamtspreis ein Instrument, derartiges Wirken für die Gesellschaft und das Gemeinwohl besonders zu würdigen. Mit einer Urkunde und sogar einer Ehrenmedaille, die eigens für die Stadt Stadtoldendorf kreiert wurde, wurde dieser Ehrenamtspreis nun am vergangenen Mittwochabend im Alten Rathaus erstmals vergeben.

Und zur Premiere dieser besonderen Auszeichnung durften sich gleich mehrere Personen über dessen Verleihung freuen. Unter ihnen Klaus Grewe, das Ehepaar Gretlies und Helmut Walter, Werner Scharf und Ulrich Müller sowie posthum auch Hans-Günther Partisch, dessen Preis seine Frau entgegennahm. Die Feierstunde im Alten Rathaus, der auch große Teile des Rates beiwohnten, soll nicht die letzte ihrer Art gewesen sein: Jährlich sollen Menschen die Auszeichnung bekommen, die sich in besonderer Weise um das Allgemeinwohl verdient gemacht haben.

Träger des Ehrenamtspreises 2024: Klaus Grewe

Zu solchen Menschen gehört Klaus Grewe, der jahrzehntelang im Handballsport und als Funktionär des Turnvereins TV87 Stadtoldendorf tatkräftig unterstützt und seine Kompetenz vielseitig einbringt. Er ist seit 1960 Mitglied des Vereins, kann auf 28 Jahre Vorstandsarbeit zurückblicken und ist Träger der silbernen Ehrennadel des Landessportbundes. Das Know-How seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Staatlichen Baumanagement brachte er regelmäßig ein und betreute dadurch Projekte wie die Sanierung der TV-Turnhalle auf dem ehemaligen Kasernengelände federführend und in vielseitiger Funktion. Er wirkte zudem in vielerlei Hinsicht an der Gestaltung des Turnvereins mit, war u.a. an der Gründung der Sportmarketing GmbH und des Fördervereins maßgeblich beteiligt. „Du bist und bleibst ein Vorbild“, waren sich die beiden Laudatoren Hubertus Berhörster und Torsten Becker einig.

Träger des Ehrenamtspreises 2024: Ulrich Müller

Ulrich Müller ist ein „Urgestein“ der Freiwilligen Feuerwehr Stadtoldendorf, dessen Entwicklung er jahrzehntelang in weitgehend führenden Funktionen prägte. Darunter viele Jahre als Jugendfeuerwehrwart, von 1996 bis 2008 als Ortsbrandmeister, danach einige Jahre als stellvertretender Gemeindebrandmeister und heute ist er Leiter der Alters- und Ehrenabteilung in der Ortsfeuerwehr. Daneben übernahm er viele Funktionen auch auf Kreisebene, von der Jugendarbeit bis zum Funken lief zahlreicher Feuerwehrnachwuchs durch „seine Schule“. Für sein Engagement wurde er bereits mit dem Deutschen Feuerwehrehrenzeichen in Gold ausgezeichnet und ist Ehrenmitglied im Feuerwehverband. Die Feuerwehr sei in einer Gemeinde ein elementarer Bestandteil „und du hast dazu beigetragen, dass die Feuerwehr wachsen kann“, sagte Thomas Bremer in seiner Laudatio, ehe der den Ehrenamtspreis an Müller überreichen durfte.

Träger des Ehrenamtspreises 2024: Gretlies und Helmut Walter

Helmut und Gretlies Walter haben sich mit ihrem jahrzehntelangen Wirken um die Stadtgeschichte verdient gemacht. Helmut Walter ist Museumsleiter seit 1995 und auch Stadtheimatpfleger, hat in dieser Zeit so manchem Einheimischen und Touristen die Stadtgeschichte näher gebracht und führt gemeinsam mit seiner Frau Gretlies auch das Stadtarchiv, in dessen Besitz sich zahlreiche Relikte der Stadtgeschichte befinden. Seit 2003 ist Walter zudem Vorsitzender des Bürgervereins, brachte zahlreiche historische Schriften heraus, unter anderem über Wilhelm Raabe oder die Gipsbahn. Seit der Gründung des Fördervereins Homburg sind Gretlies und Helmut Walter zudem in Vorstandspositionen tätig und haben das Wirken des Vereins maßgeblich mitgestaltet. In einer Arbeitsgemeinschaft, in der Gretlies Walter bereits seit über 40 Jahren tätig und Helmut Walter bis heute Sprecher ist, bringen sich beide zudem für den Fortbestand des Freilichtmuseums am Mühlenanger ein. „Ein lobenswertes Engagement“, so die Laudatorin Silke Böker.

Träger des Ehrenamtspreises 2024: Hans-Günther Partisch

Hans-Günther Partisch erfuhr bereits im vergangenen Jahr nach dem Ratsbeschluss, dass ihm die Auszeichnung mit dem Ehrenamtspreis zu teil werden sollte. Leider verstarb er im Frühjahr 2024, sodass die Ehrung nur noch posthum erfolgen und an seine Ehefrau Ursula übergeben werden konnte. Zugleich ließ sie dabei nochmal das Wirken ihres Mannes in persönlichen Worten Revue passieren, etwa, wie er jahrelang als Lehrkraft größtenteils in Stadtoldendorf tätig gewesen war, in welch vielseitiger Art und Weise er sich etwa in Kirchenvorständen einbrachte, aber insbesondere auch, was er als Historiker für die Stadt geleistet habe. Seinem akribischen Engagement ist es unter anderem zu verdanken, dass die Stadt Stadtoldendorf im Jahre 2005 ihre 750 Jahre Stadtrechte am richtigen Datum feiern konnte. Denn nach langer Suche und dem Übersetzen von mehr als 30 Urkunden aus dem Lateinischen ins Deutsche wurde das richtige Jahr der einstigen Stadtrechtsverleihung im Jahr 1255 gefunden. Seine Ergebnisse schrieb er in einem 270-seitigen Urkundenbuch nieder, welches seinerzeit auf dem Festakt im Lindenhof vorgestellt wurde.

 

Träger des Ehrenamtspreises 2024: Werner Scharf

Dass Stadtoldendorf sportlich auch einiges zu bieten hat, ist hinlänglich bekannt. An zahlreichen sportlichen Erfolgen mitgewirkt hat Werner Scharf, durch dessen Engagement als ehrenamtlicher Trainer in Leichtathletik beim TV87 und der LG Weserbergland viele Titel ins Weserbergland geholt wurden. „Stolze 15 Deutsche Meistertitel konnten seine Schützlinge erringen, teils kamen die Sportler von weither, um von ihm trainiert zu werden“, resümierte Wolfgang Anders in seiner Laudatio. Werner Scharf eignete sich die Fachkompetenz selbst an und trainiert – bis heute – erfolgreich viele Sportlerinnen und Sportler und verhalf ihnen zu Erfolgen bei Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften. Das alles noch neben seinem Beruf als Lehrer, den er bis zu seinem Ruhestand an der Stadtoldendorfer Haupt- und Realschule ausübte. Neben seinen sportlichen Aktivitäten hat sich Werner Scharf aber auch dem Naturschutz verschrieben, kümmerte sich 15 Jahre lang um das Wohl der Schleiereulen, nahm über 250 Nistkästen im Auftrag des Nabu in Betrieb und setzte sich viele Jahre auch für Turmfalken, Wasseramseln und Steinkäuze ein.

 

Musikalische Begleitung von zwei ukrainischen Künstlern

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung mit Unterstützung des Musik- und Kulturvereins von den talentierten Künstlern Nataliia und David Ruud mit Violine und Klavier, die moderne und inhaltlich passende Musikstücke in klassisches Gewand verpackten. Darunter „Heimat“ von Johannes Oerding oder auch „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen, passend zur Agenda des Abends ausgewählte Stücke.

 

Durch das Programm führte Bürgermeister Helmut Affelt, der zu Beginn Intention und Werdegang der neuen Ehrung darstellte. Nach der Erstellung einer Satzung wurde eine Medaille gestaltet und erste Preisträger bestimmt. „Wir zeichnen heute Menschen aus, die etwas für andere tun oder getan haben. Ihr bringt Kompetenz ein und teilt euer Wissen“, lobte Affelt das Engagement der zu Ehrenden und bezeichnete sie als Vorbilder für unsere Gesellschaft.

Die Verleihung des Ehrenamtspreises soll nicht nur eine einmalige Aktion gewesen sein, sondern fortan jährlich ausgelobt werden. Der Preis soll aber nicht nur eine Anerkennung für besondere Leistungen, sondern auch Ansporn für viele andere Menschen sein, sich ebenfalls ehrenamtlich oder gesellschaftlich zu engagieren, ihr Wissen und ihr Know-How an andere weiterzugeben und damit dem Allgemeinwohl einen Bärendienst zu erweisen. „Unsere Stadt braucht auch künftig bürgerschaftliche Aktivitäten, wir suchen Nachwuchsleute, die uns folgen“, was auch trotz demografischer Entwicklung gelingen müsse, sagte Affelt.

 

Fotos: rus