Kreis Höxter/Holzminden/Fürstenau (TKu). An einem Feldhang oberhalb der Bundesstraße B239 blüht es ungewöhnlich. Die Menschen sehen Rot, wenn sie auf dem Weg nach Fürstenau in Höhe des Reiterhofes an der B239 nach rechts schauen. So einen Anblick gab es in der Form auch noch nie. Am Wochenende sollen dutzende Menschen zum Feld gepilgert sein, um sich dieses Novum anzusehen. Nur noch etwa 10-14 Tage wird das satte Rot die Landschaft dominieren, dann fallen die Blüten des Klatschmohns ab und das für die Natur so wichtige „Regio-Saatgut“ kommt zu Tage. Wir von Höxter-News haben einmal nachgefragt, was es mit diesem Klatschmohn-Feld auf sich hat und wer es bestellt, nachdem wir darauf aufmerksam geworden sind. An vielen Stellen sieht man in diesen Tagen den roten Klatschmohn nur auf kleinen Streifen blühen, zumeist aber nur an den Rändern der Korn oder Maisfelder. Zwischen Fürstenau und Brenkhausen im Stadtgebiet Höxter ist erstmalig ein 1,2 Hektar großes rotes Klatschmohnfeld entstanden, das es in der Region noch nie gegeben hat. Die nächsten solcher Felder gibt es nur in den Kreisen Minden und Kassel. Diplom-Ingenieurin Sabrina Laufenburg vom Unternehmen „Pamme Saatgut und Wildpflanzen“ ist mit diesem Projekt betraut und erklärt, was es damit auf sich hat: Nur noch zwei Wochen blüht der Mohn, je nach Witterung. Die Kapseln mit Saatgut sollen in etwa zwei bis drei Wochen reif sein. Dann könne geerntet werden, was mit einem historischen Mähdrescher des Unternehmens, der aus den 1960er Jahren stammt, geschehe. Gedroschen werden könne aber erst frühestens in vier bis sechs Wochen, erklärt Sabrina Laufenburg. 

Es gäbe viele Arten, die gepflückt oder abgeschnitten werden müssten. Der Klatschmohn werde hingegen gedroschen. Vor etwas mehr als zwei Jahren hat alles angefangen. Das Unternehmen hat begonnen, mit Erlaubnis der Naturschutzbehörden, kleine Mengen aus einem Naturschutzgebiet zu sammeln. Diese wurden dann auf kleiner Fläche zwischenvermehrt und in diesem Jahr erstmals auf so großen Flächen angepflanzt. Es seien kleine Schritte gewesen, bis man diese Menge zur Verfügung hatte, erklärt Laufenburg. Das Unternehmen Rieger-Hofmann GmbH aus Blaufelden ist der Partner vom Unternehmen „Pamme Saatgut und Wildpflanzen“, die für Rieger-Hofmann das Saatgut anbauen und vorab reinigen. Rieger führt später die Endreinigung durch und stellt auch die Mischungen zusammen in der prozentual jede Pflanze vertreten ist. Eine Endreinigung könne Pamme nicht leisten, weshalb das vorgereinigte Saatgut nach Blaufelden müsse. Wird das „Regio-Saatgut“ hierzulande wieder benötigt, wird es vom Unternehmen Rieger endgereinigt und in der richtigen Mischung zurückgeordert. Heimatverbände, Naturschutzvereine oder auch Kommunen nutzen das Saatgut, um damit Grünstreifen mit Wildblumen anzulegen. 

Insgesamt 12 Hektar bestellt das Unternehmen Pamme in diesem Jahr im Umkreis von Fürstenau, Brenkhausen und Höxter, worauf Firmenchef Johannes Pamme, Sabrina Laufenburg, aber auch die Mitarbeiter:innen sehr stolz seien. Angebaut werden 48 verschiedene heimische Arten, darunter Margeriten, die Wiesen-Flockenblume, Spitzwegerich, Schafgarbe, die weiße und rote Lichtnelke oder aber auch die Kuckucks-Lichtnelke. Diese heimischen Wildpflanzen seien laut Laufenburg sehr wichtig für die über 500 Wildbienen, die unzähligen Käferarten und andere Hautflügler, die diese Wildpflanzen als Nahrungsquelle benötigen. Angebaut werden ausschließlich heimische Arten. Für die Insekten seien fremdländische Wildblumen keine Option, da sie zu anderen Zeiten blühen, als es die Insekten benötigen. Zwischen Insekt und Pflanze bestehe eine Evolution. Im Laufe der Zeit haben sich Insekten und Wildblumen aufeinander eingestimmt, erklärt die Diplom-Ingenieurin. Gepflückt und geerntet wird teilweise noch mit der Hand. Es müsse viel geschaut und beachtet werden. Unkräuter müssen mit Hacken und Spitzen entfernt werden. Man fühle sich daher so manches mal tief in die Vergangenheit zurückversetzt, meint Sabrina Laufenburg. 

Fotos: Thomas Kube