Donnerstag, 13.08.2020
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Sonntag, 26. Juli 2020 09:08 Uhr

Lost Place Kennedy-Brücke und Bahnstrecke: Nur die halbe Brücke steht unter Denkmalschutz Lost Place Kennedy-Brücke und Bahnstrecke: Nur die halbe Brücke steht unter Denkmalschutz

Fürstenberg/Wehrden (TKu). Die Bahnstrecke Holzminden–Scherfede war einst eine 49 Kilometer lange Hauptbahnstrecke, die von Holzminden nach Scherfede führte und damit die Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen mit der Oberen Ruhrtalbahn verband. Bis 1984 wurde diese Strecke als Hauptbahn betrieben. Auch hochwertige Reisezüge haben diese Strecke viele Jahre genutzt. Das dazugehörende größte Bauwerk dieser Strecke ist die imposante Weserbrücke zwischen Wehrden und Boffzen, die seit mehr als 28 Jahren nur noch ungenutzt die Landschaft ziert. Auf niedersächsischer Seite steht der Brückenabschnitt übrigens unter Denkmalschutz – auf der NRW-Seite dagegen nicht.

Auf der alten Eisenbahnbrücke selbst existieren noch Schienen, während sie auf der übrigen Strecke bereits komplett entfernt worden sind. Bäume und Sträucher wildern heute dort, wo einst Züge gefahren sind. Auch der Bahndamm eines Großteils der alten Strecke ist der Natur überlassen worden und nun völlig verwildert. Kilometersteine, morsche Bahnschwellen oder Strommasten deuten noch auf die alte Bahnstrecke hin. Überlegungen, auf der alten Trasse einen Fahrradweg entstehen zu lassen, sind aufgrund der hohen Kosten dafür wieder verworfen worden. Die Bahnstrecke war von 1876 bis 1984 durchgehend in Betrieb. Die Linie führte durch Beverungen, von dort aus das Tal der Bever hinauf und durch die Warburger Börde.

Die Strecke wurde von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft (BME) gebaut, um die Obere Ruhrtalbahn unabhängig von der Preußischen Staatsbahn weiter nach Osten anzuschließen. Auf der Strecke sind Kohlezüge und vornehme Expresszüge eingesetzt worden. Lokale Belange spielten für die Streckenführung keine Rolle. Das Herzogtum Braunschweig hatte seine ehemalige Staatsbahn 1870 privatisiert; auch die BME hatte Anteile erworben. Noch vor Fertigstellung der Oberen Ruhrtalbahn (1873) begannen 1872 die Bauarbeiten, um die letzte Lücke in einem Privatbahnnetz vom Rhein bis an die Spree zu schließen. Die Errichtung der Brückenbauten, wie auch der Weserbrücke bei Fürstenberg, lag in den Händen des bekannten deutschen Architekten Joseph Stübben aus Grevenbroich (*1845-1936). Am 15. Oktober 1876 wurde der Verkehr aufgenommen.

Ende 1876 befuhr der Schnellzugpaar Berlin-Aachen die Strecke - ein Jahr später kam ein Luxuszug nach Paris und Ostende dazu. Mittlerweile hatte sich ab 1879/80 der Staatsbahngedanke in Preußen durchgesetzt. Auch die Strecken der BME gingen 1882 an die Preußische Staatseisenbahn über. Daraufhin war die Bahnstrecke Holzminden–Scherfede nur noch eine etwas ungünstig gelegene Hauptbahn unter vielen, die zwei steigungsreiche Strecken miteinander verband und schräg zu den Hauptverkehrsrichtungen lag. Höxter und Warburg wurden für den Regionalverkehr ungünstig umfahren. Die Fernreisezüge wurden auf die Strecke über Altenbeken verlegt. Erst um 1900, als der Verkehr stark anwuchs, wurde wieder ein D-Zug-Paar Berlin-Köln eingelegt und die Strecke 1907 zweigleisig ausgebaut. Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges fiel die Eisenbahnbrücke zwischen Fürstenberg und Wehrden, wie auch viele andere Weserbrücken, den Kriegshandlungen zum Opfer. Der Stahlüberbau der Eisenbahnbrücke wurde beim Rückzug von den deutschen Truppen gesprengt. Während der ersten Reparaturarbeiten kurze Zeit später traf die Brücke erneut eine Fliegerbombe, wobei einige Arbeiter getötet und der mittlere Brückenbogen auf dem Godelheimer "Festland" zerstört worden ist.

Das ist auch heute noch gut zu erkennen, da dieser Bogenteil mit Beton, anstatt mit Bruchsteinen repariert worden ist. Deutsche Baufirmen und englische Pioniere haben die Brücke dann 1946 unter der Leitung des Ingenieurs Captain J.L.Kennedy von der Britischen Armee repariert und zweigleisig wiederhergestellt. Brücken-Ingenieur Captain J.L. Kennedy wurde am 17. Juni 1946 in der Nähe von Düren ermordet. Die Fertigstellung der Brücke am 8. Juli 1946 erlebte er nicht mehr.

Die Brücke trägt daher auch heute noch seinen Namen (Kennedy-Brücke). Auch ein Gedenkstein wurde dem getöteten Ingenieur gewidmet, der sich auf niedersächsischer Seite unter der Brücke befindet. Seit dem 1. September 1946 rollten von nun an wieder Züge über die Weser. Die Engländer hatten bei der Brücke einen Aufsichtsposten errichtet und kassierten für jede Achse, die hier die Weser passierte. Die Brücke war der erste befahrbare Weserübergang zwischen Hann. Münden und Hameln. Fast 40 Jahre rollte der Personenverkehr über die Bahnstrecke und die „Kennedy-Brücke“. Nach Einstellung des Personenverkehrs am 02. Juni 1984 verblieben nur wenige Übergabezüge, die die Streckenabschnitte Holzminden-Beverungen und Scherfede-Borgholz bedienten. Häufig wurde sie bis Anfang der 1990er Jahre noch für den Transport von Fahrzeugen und Panzern der NATO-Streitkräfte genutzt. Im Jahre 1992 wurde der Gesamtverkehr Nörde-Holzminden eingestellt. Verblieben ist nur die 4-km-Strecke Scherfede-Nörde, um eine Kartonfabrik zu bedienen. Die Fahrten hier endeten im Jahre 2001, seitdem ruht der Betrieb. In den Jahren nach 2002 wurde die Bahnstrecke an vielen ehemaligen Bahnübergängen unterbrochen. Die Gleisanlagen sind zum überwiegenden Teil zurückgebaut worden. Die Altschwellen sind jedoch fast überall noch vorhanden.

   

Fotos: Thomas Kube

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