Samstag, 08.08.2020
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Mittwoch, 22. Juli 2020 09:52 Uhr

Gemeinsam für Andreas!: Interview mit Christian Werheid über die Spenderneugewinnung bei der DKMS Gemeinsam für Andreas!: Interview mit Christian Werheid über die Spenderneugewinnung bei der DKMS

Wie bereits berichtet, hat der 51-jährige Andreas aus Holenberg Blutkrebs. Er benötigt dringend eine Stammzellspende, um zu überleben.

Holenberg (red). Wie bereits berichtet, hat der 51-jährige Andreas aus Holenberg Blutkrebs. Er benötigt dringend eine Stammzellspende, um zu überleben. Da die weltweite Suche nach einem „genetischen Zwilling“ bislang erfolglos ist, setzen Andreas Familie und Freunde alle Hebel in Bewegung, um zu helfen. Gemeinsam mit der DKMS organisieren sie eine Online-Registrierungsaktion.

Wer helfen möchte, gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann sich über https://www.dkms.de/andreas ein Registrierungsset nach Hause bestellen und so vielleicht zum Lebensretter werden. 

DKMS-Vertreter Christian Werheid beantwortet in diesem Zug Fragen, die im Zusammenhang mit einer Spende aufkommen können.

Frage: Wer kann sich als Spender bei der DKMS registrieren?

Werheid: Wer zwischen 17 und 55 Jahren alt und grundsätzlich gesund ist, kann sich bei der DKMS registrieren. Junge Menschen sind besonders gefragt, da sie in der Regel weniger Vorerkrankungen (z.B. schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Erkrankungen…) als ältere haben und deshalb häufiger als Spender geeignet sind. Auch von Bedeutung ist: Je jünger ein Mensch zum Zeitpunkt der Registrierung ist, desto länger steht er für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung. Das ist wichtig für den Erhalt der Datei, denn jeden Monat scheiden mehr als 5.500 Spender aus Altersgründen aus der DKMS aus. 

Frage: Was bedeutet Typisierung eigentlich genau und was passiert mit meinen Daten?

Werheid: Bei einer Typisierung werden Gewebemerkmale, die Humane Leukozyten-Antigene (HLA), bestimmt. Dabei handelt es sich um Strukturen auf den Oberflächen der Zellen im Körper, anhand derer das Immunsystem zwischen eigenen und fremden Geweben unterscheidet. Wesentlich für den Erfolg einer Transplantation ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale zwischen Patient und Spender. In unserem Labor werden grundsätzlich zwölf Gewebemerkmale bestimmt, was die Suche nach dem optimalen Spender noch zuverlässiger ermöglicht. Die Befunde werden anschließend pseudonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender Register (ZKRD) in Ulm weitergeleitet, wo sie für Patientenanfragen aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen.

Frage: Was passiert, falls ich als Spender für einen Patienten infrage komme?

Werheid: Wird man als „genetischer Zwilling“ für einen Patienten identifiziert, ist der Zeitpunkt gekommen, sich endgültig zu entscheiden, ob man zur Spende bereit ist. Stimmt man zu, steht erst einmal ein gründliches Gesundheits- Check-up an. Denn oft kommt es erst Jahre nach der Registrierung zu einer Anfrage für eine Stammzellspende und in dieser Zeit können im Leben eines Spenders Umstände -z.B. Krankheiten- eingetreten sein, die eine Stammzellspende unmöglich machen. Steht einer Spende aus gesundheitlichen Gründen nichts im Wege, erfolgt im Anschluss ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Arzt über die möglichen Entnahmeverfahren:

1. Die wesentlich häufigere Methode (80%) ist die periphere Stammzellentnahme:

Der Spender spritzt sich über fünf Tage hinweg – selbständig oder durch einen Pflegedienst – einen hormonähnlichen Stoff (G-CSF) unter die Haut, der normalerweise bei einer Erkältung vom Körper selbst ausgeschüttet wird. Durch die Gabe von GCS-F wird also die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut gesteigert. Nach dieser Vorbehandlung werden diese „überschüssigen“ Stammzellen in der Entnahmeklinik ambulant über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt.

2. Deutlich seltener (20%) wird eine Knochenmarkentnahme durchgeführt. 

Unter Vollnarkose wird das Blut-Knochenmarkgemisch direkt aus dem Beckenkamm entnommen, welches sich nach zwei Wochen wieder vollständig nachbildet. Dieses Verfahren macht einen Krankenhausaufenthalt von etwa 2-3 Tagen erforderlich. Welche Methode angewendet wird, hängt von der Erkrankung des Patienten ab. Der Wunsch des Spenders wird – wenn möglich – berücksichtigt.

Frage: Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?

Werheid: Bei der Knochenmarkentnahme kann für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz auftreten Das Risiko beschränkt sich im Wesentlichen auf das übliche Narkoserisiko. Bei der peripheren Stammzellspende können während der Vorbereitungsphase grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach heutigem Forschungsstand nicht bekannt.

Frage: Erfahre ich, für wen ich spende?

Werheid: Eine Spende erfolgt zunächst immer anonym. Auf Wunsch kann der Spender jedoch Herkunftsland, Geschlecht und das ungefähre Alter ‘seines‘ Patienten erfahren. Nach zwei Jahren ist es möglich, die Anonymität aufzuheben, wenn beide Seiten dies wünschen und ein schriftliches Einverständnis vorliegt. Während dieser zwei Jahre ist in vielen Ländern ein anonymer Briefwechsel möglich, die DKMS vermittelt gern den Austausch. Leider erlauben nicht alle Länder die anonyme und/oder persönliche Kontaktaufnahme.

Foto: DKMS

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