Stadtoldendorf/Kreis Holzminden (rus). Es war der Schock für viele Beschäftigte im Sommer 2012: Das Krankenhaus Charlottenstift in Stadtoldendorf, welches bis zuletzt noch über rund 100 Betten verfügte, meldete Insolvenz an. Mit dem 01. August 2012 wurde das offizielle Verfahren eröffnet, welches seinerzeit die Betreiberin AWO in die Wege leitete. Zuvor war das damalige Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung schon öfters in den Schlagzeilen, die damalige Samtgemeinde Stadtoldendorf und der Landkreis Holzminden, denen das einstige Kreiskrankenhaus zu unterschiedlichen Anteilen gehörte, investierten zu Zeiten ihrer Eigentümerschaft teils hohe Geldbeträge. Doch trotz Privatisierung war das Krankenhaus schließlich nicht mehr zu retten.

Umso erfreulicher am 19. Februar 2014 die Nachricht, dass die Stadt Stadtoldendorf das Gebäude und das gesamte Inventar kaufen wollte. Zuvor hatte bereits anderthalb Jahre lang ein Insolvenzverwalter das Vermögen verwaltet, die damalige Gesundheitsversorgung brach zusammen. „Wir haben viele Überlegungen unternommen, bevor wir uns zu dem Schritt entschlossen haben“, erklärt Stadtdirektor und Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Anders heute. Das Ziel war dabei klar formuliert: Eine Immobilienbrache zu vermeiden und die Gesundheitsversorgung für Stadt und Samtgemeinde neu aufzubauen und zu erweitern. Schließlich gelang es unter Beteiligung von Landkreis und Sozialministerium, das Charlottenstift zu erwerben. Zuvor hatte auch der Rat dem Vorhaben zugestimmt und damit den Weg geebnet.

In den folgenden Jahren mussten dann frühere Schäden beseitigt sowie das Gebäude instandgesetzt und massiv umgebaut werden. Das vorhandene Inventar, darunter Möbel und vielfach auch medizinisches Equipment, wurden passenden Nachnutzungen zugeführt, verkauft oder im Charlottenstift an passender Stelle weiter verwendet. „Es gab beim Kauf noch eine vollausgestattete Intensivstation, auch viele weitere Stationen und Abteilungen waren noch fast wie am letzten Arbeitstag ausgestattet“, erinnert sich Wolfgang Anders an die Anfänge. „Es war so, als schwebte noch der Geist des einstigen Krankenhauses durch die Flure“, so Anders, auch wenn hier wohl nie wieder ein Krankenhaus eingerichtet werden wird. Der Brandschutz wurde aktualisiert, Wasserschäden wurden behoben und das Gebäude für die Zukunft aufgestellt. Nach und nach sollte schließlich das Charlottenstift zu einem Gesundheitszentrum ausgebaut werden, so das Ziel.

Heute im Jahr 2019 rückblickend auf die letzten fünf Jahre, waren die Anstrengungen nicht umsonst – im Gegenteil: Das Gesundheitszentrum verfügt heute über ein vielseitiges Angebot rund um Medizin und Gesundheit, das auch über die Grenzen der Samtgemeinde hinweg genutzt wird. „Wir sind sehr froh, dass es uns in den letzten Jahren gelungen ist, das Charlottenstift wieder mit Leben zu füllen“, so Anders. Es sei neben der Nachnutzung des Bundeswehrstandortes und der Stadtsanierung eines der größten Projekte der Stadt Stadtoldendorf der letzten Jahrzehnte. Die Neuausrichtung und der Umbau vom früheren Krankenhaus zum heutigen Gesundheitszentrum lies sich allerdings nicht über Nacht realisieren. Viele lokale Handwerksbetriebe waren eingebunden, insbesondere war und ist in vielen Bereichen auch der städtische Bauhof engagiert tätig. „Das Ganze war nur möglich, durch die Rückendeckung des Stadtrates“, erklärt Anders. Zur Unterstützung der Verwaltung richtete man sogar einen eigenen Fachausschuss ein, der sich nur mit dem Charlottenstift befasst.

Die Bemühungen der letzten Jahre können sich sehen lassen: Es gibt ein Sanitätshaus, eine podologische Praxis und mit dem Seniorendomizil „Haus Charlotte“ eine Einrichtung für Senioren. Schon vor dem Kauf durch die Stadt gab es die physiotherapeutische Praxis „Prophysios“, die bis heute Bestand hat. In der einstigen Intensivstation gibt es heute eine Hausarztpraxis mit gleich zwei Ärzten, nebenan die Außenstelle der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des St. Ansgar Krankenhauses Höxter sowie mit Laurian Magdea eine rheumatologische Praxis. Früh an Bord waren auch Angebote des Agaplesion Evangelischen Krankenhauses Holzminden mit einer kardiologischen Praxis. Ergänzt wird das Angebot im Gesundheitszentrum weiterhin vom Kardiologen Dr. Eberhard Bub und durch die chirurgisch-orthopädische Praxis mit ihren Ärzten Ulrich Schön, Julia Hoffmann und Urs Schmid. Heute verfügt das Charlottenstift mit der COP-Praxis sogar über einen sogenannten Durchgangsarzt (D-Arzt), was es unter anderem Betrieben ermöglicht, auch Arbeitsunfälle hier erstbehandeln zu lassen. Angeschlossen ist zudem ein ambulantes Operationszentrum, wo ambulante Operationen, etwa Schulter- oder Gelenks-Op‘s durchgeführt werden. Das vielseitige Angebot wird ergänzt durch eine Praxis für Logopädie, durch eine podologische Praxis sowie eine Praxis für Ergotherapie.

Doch noch immer sind Räumlichkeiten verfügbar und Pläne für neue Nutzungen vorhanden. „Weitere Angebote hierfür werden bereits erarbeitet“, so Anders. Der Weg des einstigen Krankenhauses zu einem vielseitig ausgestatteten Gesundheitszentrum ist also noch nicht bis zu Ende gegangen. „Was noch frei ist wollen wir Stück für Stück beleben“.

Fotos: Stadtarchiv | rus | airfahrung.de