Landkreis Holzminden (r). Unter dem Motto „Mehr Flussnatur im Einklang mit Naturtourismus“ fand Ende 2016 die Flusskonferenz Oberweser in Hameln statt. Vor kurzem wurden die dort debattierten Ziele auf regionaler Ebene weiter präzisiert. Über 50 Teilnehmer aus Landkreisen, Kommunen, Umweltverbänden, Fischereiorganisationen, Wassersport und Landwirtschaft nahmen am 1. Regionalgespräch „Revitalisierung der Oberweserauen in den Landkreisen Holzminden, Hameln-Pyrmont und dem Kreis Höxter“ im Schloss Bevern teil. Eingeladen hatte der Initia­tivkreis Oberweser unter Federführung des BUND-Auenzentrums auf Burg Lenzen.

In den nächsten Monaten sollen zwei weitere Regionalgespräche für die anderen Weser-Anrainer-Landkreise durchgeführt werden.

Mit Blick auf das bundesweite Auen-Förderprogramm ging es bei der Veranstaltung in Bevern vornehmlich um Projektideen zur Renaturierung von Auenflächen, also jenen Flä­chen, die auch noch bei extremen Weser-Hochwassern überflutet werden können.

Die Renaturierungsmaßnahmen können nach Angaben von Timo Riecker vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) aus Bonn mit bis zu 75% der Kosten u.a. für Flächenerwerb, Planung und Bau gefördert werden. Riecker zufolge ist es bundesweit einzigartig, dass sich für die Revitalisierung in der Oberweseraue so viele unterschiedliche Akteure zusammengeschlos­sen haben und sich gemeinsam, über Ländergrenzen hinweg, für mehr Flussnatur engagie­ren.

Maßnahmen direkt an der Weser sollen künftig von der Bundeswasserstraßenverwaltung selbst geplant und durchgeführt werden, so Uwe Borges von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). Dafür sei ein eigener Etat von 50 Mio. € pro Jahr im Bundeshaushalt geplant.

Zu Beginn des Regionalgesprächs formulierte die Landrätin des Landkreises Holzminden, Angela Schürzeberg, wie auch der Landrat des Kreises Höxter, Friedhelm Spieker die Be­deutung einer naturnahen Oberweserlandschaft für die Regionalentwicklung und ihren ver­bindenden Charakter. Im Zentrum stehen hierbei neben den Zielen des Naturschutzes die Weiterentwicklung touristisch bedeutsamer Freizeit- und Erholungsangebote innerhalb einer reizvollen Auenlandschaft. So könne beispielsweise der bundesweit bekannte Weser-Radweg durch mehr Naturnähe in der Weseraue eine deutliche Aufwertung erfahren. Auch Andreas Manz, Dezernent beim Landkreis Hameln-Pyrmont, sieht große Potenziale für eine ökologische Verbesserung im Einklang mit einer Stärkung naturtouristischer Angebote. Landrätin Schürzeberg dankte dem Initiativkreis Oberweser ausdrücklich dafür, die Oberweser in den Fokus des Bundes zu bringen.

Landrat Spieker formulierte auch die Erwartung, dass die Bundeswasserstraßenverwaltung selbst schnell mit Renaturierungsmaßnahmen an der Weser beginne. Zumindest sei es er­forderlich, dass möglichen Maßnahmenträgern die notwendigen Flächen im Bundesbesitz für Renaturierungsmaßnahmen bereitgestellt werden. Die Schifffahrt dürfe bei allen Maßnah­menüberlegungen nicht in Frage gestellt werden.

Den ausdrücklichen Willen zur Unterstützung entsprechender Aktivitäten unterstrich Joachim Wöhler vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz. So seien die an der Oberweser entfachten Aktivitäten ganz im Sinne des jüngst vom Land Niedersachsen geschaffenen „Aktionsprogramms Niedersächsische Gewässerlandschaften“. Nach Inkrafttreten der Förderrichtlinie zum Blauen Band wird sich zeigen, wie das Land durch eine Kofinanzierung von „Blaue Band-Projekten“ zur Umsetzung von Renaturierungs­maßnahmen in der Weseraue beitragen kann.

Um welche Potenziale und Maßnahmen es dabei geht konnte Bernd Schackers vom UIH Planungsbüro aus Höxter anhand einiger Beispiele vorstellen. Potenziale bietet z.B. die Revitalisierung von Hochflutrinnen, die bei Hochwasser die Weseraue durchziehen und, mit Wasser gefüllt, wichtige Lebensräume für auentypische Pflanzen und Tiere bieten. Auch die Umgestaltung bislang naturferner Abgrabungsseen stellt eine Option zur Renaturierung dar, so der Planer. Damit könne auch dem weit verbreiteten Insektensterben entgegengewirkt werden.

Als gelungenes Renaturierungsbeispiel nannte Schackers das Projektgebiet „Lake“ der Hochschule OWL am alten Kernkraftwerksstandort in Beverungen. Hier wurde ein ehemali­ger Weser-Nebenarm zu einer abwechslungsreichen Auenlandschaft entwickelt.

Meike Kleinwächter vom BUND-Auenzentrum stellte zudem das bundesweit beachtete Projekt der Deichrückverlegung in der Lenzener Elbtalaue vor. Der Natur wurde dort eine 420 ha große Überflutungsfläche zurückgegeben, in der ganzjährig weidende Pferde für das Offenhalten von Teilflächen sorgen und eine besondere Attraktion für die Gebietsbesucher darstellen.

Inspiriert von diesen Beispielen sammelten die Teilnehmer in landkreisbezogenen Workshop-Runden etwa 70 eigene Projektideen: Darunter die Entwicklung von Flussinseln sowie artenreicher Wiesen und Weiden und die naturnahe Anbindung kleiner Bäche und Flüsse. „Es herrschte regelrechte Aufbruchsstimmung bei den Kommunal- und Verbands­vertretern“, so Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz Ostwestfalen-Lippe. Die Renaturierungsideen wird der Initiativkreis Oberweser nun weiter auswerten. Ziel ist es ein Entwicklungskonzept für die gesamte, über 200 km lange Oberweserstrecke zwischen Hannoversch Münden im Süden und Minden im Norden zu erstellen und im kommenden Jahr Fördergelder aus dem Auenprogramm des Bundes für die Maßnahmenumsetzung zu beantragen.

Susanne Gerstner, Landesgeschäftsführerin des BUND Niedersachsen resümierte am Ende der Veranstaltung: „Wir sind beeindruckt von dem Willen und der Kreativität so vieler Akteure über Stadt-, Landkreis- und Landesgrenzen hinaus, die Oberweseraue naturnäher zu entwi­ckeln.“ Der BUND Landesverband Niedersachsen will den weiteren Prozess der Umsetzung gemeinsam mit dem Initiativkreis Oberweser koordinieren.

Foto: Mathias Lohr/Bernd Schackers/UIH Planungsbüro