Sonntag, 01. Februar 2026 Mediadaten Fankurve
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Weserbergland (red). Es gibt wohl kaum ein beliebteres Säugetier in Europa als den Igel. In Märchen wird er aufgrund seiner Schläue gerühmt, in Comics als pfiffiger Geselle durch allerlei Abenteuer geschickt. Er taucht in zahlreichen Redewendungen auf und steht als Symbol der Wehrhaftigkeit. Das „Einigeln“, also das schützende Einrollen gegen Feinde, ist in der Natur zu seiner Lebensversicherung geworden.

Und dennoch geht es dem Igel in unserer Landschaft immer schlechter. Darauf weist der NABU Niedersachsen hin.

Igel zunehmend unter Druck

Philip Helmsen, Mitarbeiter der Regionalgeschäftsstelle des NABU Weserbergland, zeigt sich sehr besorgt: „Der Igel, der lange als sehr anpassungsfähig galt, gerät zunehmend unter Druck. In einigen Bundesländern ist er bereits bis in die Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Arten vorgerückt. Das ist alarmierend.“

Helmsen nennt vielfältige Gründe für diese Entwicklung: „Die Gefährdungen des Igels – die stellvertretend für viele andere Arten stehen – sind zahlreich. Das Hauptproblem ist die zunehmend ausgeräumte Landschaft, in der Hecken, Feldgehölze und Wegraine fehlen. Diese haben wir in den vergangenen Jahrzehnten in rasantem Tempo verloren. Wo nur noch Maisflächen dominieren und der letzte Wegrain sowie die letzte Feldhecke längst weggepflügt wurden, finden Wildtiere wie der Igel weder Nahrung noch Unterschlupf.“

Rückzug in die Siedlungen

Deshalb ziehe sich der Igel hierzulande immer weiter in die Siedlungen zurück, betont der NABU-Mitarbeiter. „Der Weg zu einer naturverträglichen Landwirtschaft ist überfällig. Das zeigt nicht nur der Igel, sondern eine Vielzahl weiterer Arten.“

Gärten als wichtige Lebensräume

Weitere Gefahren für den drolligen Stachelritter sieht Helmsen vor allem im Nahrungsmangel: „Sein Einigeln hilft ihm zwar gegen tierische Fressfeinde, aber nicht gegen fehlende Nahrung. Gerade in Gärten, Parks und Grünanlagen haben wir es in der Hand, für einen gedeckten Tisch zu sorgen.“

Der Igel sei ein „Kleinsttiergourmet“ und ernähre sich unter anderem von Käfern, Insekten und deren Larven, Regenwürmern und Ohrwürmern. Laub dürfe deshalb auch einmal liegen bleiben. Heimische Wildsträucher und Stauden sollten exotischen, ökologisch wertlosen Pflanzen vorgezogen werden. „Das Laub kann im Herbst zudem hervorragend vom Igel genutzt werden, um es in sein Schlafnest für die Überwinterung hineinzuschieben“, rät Helmsen.

Igelburgen und Gefahrenquellen im Blick behalten

„Genau hier kann bereits jetzt angesetzt werden, damit 2026 zu einem echten Igeljahr wird“, erklärt der Naturschützer. Eine Igelburg sei sehr sinnvoll, da sie Unterschlupf biete, der Jungenaufzucht diene oder als Winterquartier genutzt werde. Baupläne für geeignete Igelburgen aus Holz stellt der NABU unter anderem in Form von Online-Videos zur Verfügung. Diese sollten an trockenen Stellen im Garten aufgestellt und mit Reisig sowie Laub abgedeckt werden.

Darüber hinaus sei es wichtig, Gärten und Grundstücke auf mögliche, bislang unentdeckte „Igelfallen“ zu überprüfen. Dazu zählen steile Teichufer, insbesondere bei Kunststoffteichen, aus denen hineingefallene Igel nicht mehr entkommen können, sowie offene Lüftungs- oder Kellerschächte und ungesicherte Gullys. Auch massive Zäune bis zum Boden verhinderten zunehmend den Zugang für Igel und andere Kleinsäuger.

Alarmierende Zahlen und dringender Handlungsbedarf

Schätzungen zufolge kommen allein in Deutschland jedes Jahr bis zu eine Million Igel durch den Straßenverkehr ums Leben. „Zusammen mit der fortschreitenden Ausräumung der Landschaft sind dies alarmierende Faktoren, die uns langfristig um den Igel fürchten lassen“, betont Helmsen.

Ein Blick nach Großbritannien zeige, wie ernst die Lage sei: Dort ist der Bestand seit der Jahrtausendwende offenbar um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Auch der zunehmende Flächenverbrauch in Städten und Dörfern verschärfe die Situation. Wo früher artenreiche Gärten mit alten Obstbäumen standen, dominierten heute versiegelte Flächen und exotisches Ziergrün. Eine Entwicklung, die nicht nur dem Igel schade, sondern auch vielen anderen Arten – und letztlich dem Menschen selbst.

„Jetzt heißt es anpacken – oder auch einmal bewusst liegen lassen – für den Igel“, so der NABU-Mitarbeiter.

Informationsmaterial des NABU

Der NABU Niedersachsen hält umfangreiches Informationsmaterial bereit, darunter Baupläne für Igelburgen und zahlreiche praktische Tipps zum Igelschutz.

Das Infopaket kann gegen Einsendung von fünf Euro in Briefmarken angefordert werden bei: NABU Niedersachsen, Alleestraße 36, 30167 Hannover.

Auf dass 2026 und die kommenden Jahre gute Igeljahre werden.

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