Stadtoldendorf (awin). Das ZDF war im Freibad Stadtoldendorf zu Gast. Ein Team mit Redakteur, Kameramann und Tonmann drehte vor Ort am Dienstagmorgen einen Beitrag für das Servicemagazin „Volle Kanne“. Am Beckenrand ging es dabei um ein Thema, das den Schwimmverein Stadtoldendorf längst im Alltag erreicht hat: den Mangel an Bäderfachangestellten und die Folgen für Badebetrieb, Schwimmausbildung und Vereinsleben. Der Beitrag soll nach Angaben der anwesenden Mitarbeiter rund vier Minuten umfassen und voraussichtlich am 26. Juni ausgestrahlt werden.
Vor der Kamera beantwortete Frank Haibach, 1. Vorsitzender des Schwimmvereins Stadtoldendorf, die Fragen des ZDF-Teams. Dabei wurde deutlich: Für den Verein ist der Personalmangel kein abstraktes Problem. Er entscheidet darüber, wann das Freibad öffnen kann, welche Kurse stattfinden und wie viel Arbeit am Ende auf den Schultern der Ehrenamtlichen landet.
Ein Freibad als Mittelpunkt des Vereinslebens
„Das Freibad ist das Herz unseres Vereins“, sagte Haibach. Hier würden Kinder schwimmen lernen, hier trainierten Sportler und Wasserballer und hier entstehe Gemeinschaft. „Schwimmen bedeutet schließlich auch Sicherheit.“
Gerade deshalb trifft die aktuelle Situation den Verein hart. Im Freibad Stadtoldendorf ist derzeit mit Valerie Wadtke nur eine Bäderfachangestellte beschäftigt. Sie ist über die Samtgemeinde festangestellt und übernimmt eine zentrale Aufgabe für den täglichen Betrieb: die Kontrolle der Wasserqualität. Dazu gehören die notwendigen chemischen Prüfungen, unter anderem der Chlorwerte. Erst wenn diese Kontrollen ordnungsgemäß erfolgt sind und die Werte passen, kann das Freibad für den Badebetrieb freigegeben werden.
Diese Freigabe muss täglich vor der Inbetriebnahme erfolgen. Aus dem Team der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des SV darf niemand diese Aufgabe übernehmen. Damit kann das Ehrenamt zwar vieles auffangen, aber nicht die fachlich notwendige Freigabe des Freibads ersetzen. In einem ohnehin engen Personalkonzept bindet dieser Ablauf zusätzliche Zeit.
Die Folge ist ein eingeschränkter Betrieb: Das Freibad kann aktuell nur von 12 bis 19 Uhr öffnen. Vormittagskurse fallen weg, die Angebote am Nachmittag und Abend verdichten sich. Was zunächst wie eine organisatorische Verschiebung klingt, ist für den Verein in der Praxis ein erheblicher Kraftakt.
Wenn jede Bahn mehrfach verplant wird
„Der aktuelle Halbtagsbetrieb trifft unseren Verein und die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar und direkt“, erklärte Haibach. Schwimmkurse, Präventionskurse und Trainingszeiten hätten bereits reduziert oder verschoben werden müssen. „Jede verfügbare Wasserzeit muss inzwischen mehrfach verplant werden, teilweise sogar bahnenweise.“
Damit wächst der Druck auf die Ehrenamtlichen, die den Betrieb und die Angebote des Vereins mittragen. Die Organisation werde ausschließlich ehrenamtlich geleistet und sei durch die eingeschränkten Zeiten nochmals schwieriger geworden. Im Sommer kommen nach Angaben Haibachs rund 350 ehrenamtliche Stunden für das Freibad zusammen.
Deswegen sucht der Schwimmverein weiter Unterstützung. Gebraucht werden vor allem Kursleiterinnen und Kursleiter. Dafür zahlt der Verein ein überdurchschnittliches Stundenhonorar und übernimmt auch die Ausbildung. Aktuell hat der SV zwölf verschiedene Kurse im Programm. Doch jeder Kurs braucht Wasserzeit, Personal und verlässliche Rahmenbedingungen.
Ein Beruf, der mehr Anerkennung verdient
Haibach versteht nicht, warum sich so wenige Menschen um eine Ausbildung zur Bäderfachangestellten oder zum Bäderfachangestellten bemühen. Nach seiner Einschätzung hafte dem Beruf in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer ein verstaubter Ruf aus früheren Zeiten an, als sogenannte Bademeister vor allem mit der Beckenaufsicht verbunden worden seien. Dieses Bild habe mit der heutigen Realität kaum noch etwas zu tun.
„Der Beruf bietet eine große Vielfalt aus den Bereichen Chemie, Maschinenbau und Umgang mit Menschen. Ich kann jedem nur raten, eine solche Ausbildung zu machen. Hätte ich selbst noch einmal die Chance, würde ich diesen Weg gehen“, sagte Haibach.
Ausweichmöglichkeiten helfen oft nicht weiter
Dass fehlende Wasserzeiten nicht einfach an anderer Stelle aufgefangen werden können, machte Haibach ebenfalls deutlich. „Wir können längst nicht mehr alles anbieten, was wir eigentlich anbieten möchten.“ Dabei sei es egal, ob es um das Freibad im Sommer oder um das 15 Kilometer entfernte Hallenbad Greene im Winter gehe, das mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar sei.
Gerade für Kinder und Familien bedeuteten längere Wege oder fehlende Alternativen oft, dass sie Angebote nicht wahrnehmen könnten. Hinzu komme, dass Nachbarbäder vor denselben Herausforderungen stünden. „Ausweichmöglichkeiten gibt es deshalb meist nur auf dem Papier“, so Haibach.
Der Blick über Stadtoldendorf hinaus zeigt nach seiner Einschätzung, dass es sich nicht um ein rein lokales Problem handelt. In ganz Deutschland kämpften Schwimmvereine mit eingeschränkten Wasserzeiten, knapper werdenden Wasserflächen, einem Sanierungsstau bei Frei- und Hallenbädern sowie fehlendem Personal in den Bädern. Über viele Jahre seien zu wenige Bäderfachangestellte ausgebildet worden. Die Folgen spürten heute Vereine und Badegäste gleichermaßen.
Schwimmen lernen bleibt eine Frage der Sicherheit
Für den Schwimmverein Stadtoldendorf ist die Debatte deshalb mehr als eine Diskussion über Personalstellen. Sie berührt die Frage, wie verlässlich Kinder vor Ort schwimmen lernen können. Haibach verwies darauf, dass Schwimmen eine lebenswichtige Fähigkeit sei. Nach Angaben der DLRG sind im vergangenen Jahr in Deutschland mindestens 393 Menschen ertrunken.
Für Haibach ist das keine abstrakte Sorge. Wenn wegen fehlenden Personals Kurse und Trainingszeiten wegfallen, leide am Ende die Schwimmausbildung. Seine Warnung fällt entsprechend drastisch aus: „Es werden Kinder sterben!“
Die Lösung kenne man eigentlich seit Jahren, erklärte Haibach: verlässliche Investitionen in Frei- und Hallenbäder, eine vorausschauende Personalplanung und eine stärkere Förderung der Schwimmausbildung. Für den Schwimmverein Stadtoldendorf ist das Freibad deshalb nicht nur ein Ort für Freizeit und Training. Es ist auch der Ort, an dem Kinder Sicherheit im Wasser gewinnen sollen.
„Denn jedes Kind, das sicher schwimmen lernt, ist ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft“, betonte Haibach.