Stadtoldendorf (red). Mit einem voll besetzten Alten Rathaus und einem klangstarken Konzert hat der Musik- und Kulturverein Stadtoldendorf am Sonntag, 10. Mai 2026, die Finissage zur Ausstellung „Alles ohne KI!!!“ gefeiert. Vier Wochen lang waren dort Werke von Detlev Peipelmann aus Rühle und Marina Scheer aus Bad Pyrmont zu sehen – handgemalt oder gezeichnet und bewusst ohne digitale Hilfsmittel. Zum Abschluss verband sich diese handgemachte Kunst nun mit einer Musik, die ebenfalls mit eigener Kraft auskommt: a-cappella gesungene Lyrik.
Bewegung in Bildern und Musik
Eröffnet wurde der Nachmittag von der ersten Vorsitzenden des Musik- und Kulturvereins, Renate Nott. Sie gab den Besucherinnen und Besuchern direkt einen Hinweis mit auf den Weg: Wer die Bilder genau betrachte, dem werde „die Bewegung in jedem einzelnen Werk sichtbar“. Zudem stellte sie noch einmal die acht Dichterinnen und die Werke vor, die im Programm folgen sollten: allesamt deutschsprachige jüdische Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts, deren Gedichte Dr. Jean Goldenbaum 2023 zu seinem Zyklus „Achtmal Liebe in Wort und Musik“ (Opus 117) vertont hatte.
Bereits im Mai 2025 hatten der Vokalkreis des Musik- und Kulturvereins Stadtoldendorf und der Goldenbaum-Chor Holzminden dieses Werk in der St.-Dionys-Kirche zur Aufführung gebracht. Für die Finissage hatte der Komponist eine gekürzte und auf den Anlass zugeschnittene Fassung erarbeitet, die er selbst leitete. In seiner Ansprache lobte Goldenbaum beide Chöre ausdrücklich. Seine Stücke seien nicht immer leicht zugänglich und umso mehr habe ihn beeindruckt, mit welcher Sorgfalt und mit welchem Klang sich Vokalkreis und Goldenbaum-Chor das Werk erarbeitet hätten.
Gedichte treten in direkten Dialog mit Musik
Jedes der acht Gedichte wurde zunächst von einem Mitglied der Chöre vorgetragen und unmittelbar darauf a cappella gesungen. So traten Sprache und Klang in einen direkten Dialog. Zu hören waren „Ich fühle dich immer“ von Margarete Susman, „Gleichnis“ von Gertrud Kolmar, „Kleines Liebeslied“ von Mascha Kaléko, „Ja“ von Selma Meerbaum-Eisinger, „Ein Liebeslied“ von Else Lasker-Schüler, „Abgewandt warte ich auf dich“ von Nelly Sachs, „Liebe VI“ von Rose Ausländer sowie „Mein Herze, wir sind verreist“ von Hilde Domin.
Insgesamt war das Alte Rathaus bis auf den letzten Platz gefüllt. In einem kurzen Nachwort bedankte sich der Verein bei allen Beteiligten und Gästen. Bei vielen Veranstaltungen verzichtet der Musik- und Kulturverein Stadtoldendorf bewusst auf Eintrittsgelder. Stattdessen wird um Spenden gebeten, die in diesem Fall den mitwirkenden Chören und der Vereinsarbeit zugutekommen sollten.
Gäste bleiben lange nach dem Konzert zusammen
Renate Nott schloss die Veranstaltung mit der Einladung, an diesem Sonntagnachmittag noch einmal miteinander ins Gespräch zu kommen – über die Bilder, mit den Chören und mit den beiden ausstellenden Künstlern. Diese Einladung wurde gern angenommen.
Lange nach dem letzten Ton standen die Gäste noch zusammen, betrachteten die Werke, tauschten Eindrücke aus, nahmen das Angebot zu essen und zu trinken an und lachten miteinander. Mehrere der gezeigten Bilder fanden an diesem Nachmittag zudem noch einen neuen Besitzer.
Der Verein dankte allen Beteiligten und Gästen für den gelungenen Nachmittag und blickt bereits auf die kommenden Veranstaltungen voraus.


Fotos: MKV Stadtoldendorf