Göttingen/Holzminden (red). Für drei Kinder sind die Forststudenten Arne Glitz, Johannes Heidelbach und Fabian Kind seit fast einem halben Jahr in die Rolle des „Balus“ geschlüpft. Die Studenten, gemeinsam im 4. Semester Forstwirtschaft an der HAWK in Göttingen, folgen dabei ihrem Wunsch, sich neben ihrem naturwissenschaftlichen Forststudium sozial zu engagieren. Die Kooperation von HAWK plus mit dem Projekt „Balu und du“ (LINK) bietet ihnen dazu die Möglichkeit – mit Anrechnung auf ihr Studium. Sich Kindern in herausfordernden und für die Studenten selbst fremden Lebenssituationen zu widmen, setzt schon eine Portion Mut und Offenheit voraus. Ein bisschen mulmig war ihnen auch vor dem ersten Kennlerntreffen mit ihren „Moglis“. Ob sie überhaupt „Bock auf uns“ haben, fragten sie sich? Aber das Eis war schnell gebrochen: Durch die wissbegierigen Moglis oder durch die eigenen Initiativen, ins Gespräch zu kommen oder gemeinsame Unternehmungen zu machen.

Alle drei Studenten lernten völlig neue Lebens- und Sozialräume in Göttingen kennen. Fabian Glitz betreut einen „Mogli“ in der Flüchtlingsunterkunft auf den Zietenterrassen, Johannes Heidelbach einen libanesischen Jungen, der seit drei Jahren mit seiner Familie in Göttingen lebt, Arne Glitz betreut einen Jungen in Grone Süd. Ob die Flüchtlingsunterkunft, das Groner Nachbarschaftszentrum oder die libenesische Kultur, alle drei lernten durch ihren „Mogli“ eine fremde Welt kennen, in der sie sich heute ganz normal bewegen, dazu gehören und willkommen sind. Diese Erfahrung empfinden sie als sehr wertvoll.

Wenn die drei Studenten von ihren „Moglis“ sprechen, geht es schnell um Verantwortung. Sie alle merken, dass sie eine wichtige Rolle im Leben der „Moglis“ einnehmen. Jenseits von Familie und Schule eröffnen sie den Moglis einen völlig freien Raum, um eine Beziehung aufzubauen, die ihre Persönlichkeit in den Fokus stellt und Zeit und Platz für ihre vielen Fragen und Themen bietet. Die Ehrlichkeit, Direktheit und Offenheit, die die Kinder in diese Beziehungen hineinbringen, fordern die Studenten heraus, das eigene Handeln und Reagieren zu reflektieren. Aber genau hier erkennen sie auch ihren persönlichen Gewinn: authentisches Handeln und das positive Feedback der Kinder „ist einfach ein schönes Gefühl“.

Reflexion wird im Projekt großgeschrieben. Vor allem während der zweiwöchentlichen „BaluTreffen“, die Annette Rehfus, Projektkoordinatorin von „Balu und Du“ in Göttingen (Träger: CVJM) begleitet. Hier berichten sie von Situationen, die ihnen nachgehen, holen sie sich Feedback ein und geben auch solches an die anderen Balus zurück. Diese Treffen und die Betreuung durch Annette Rehfus sind für sie unverzichtbar, denn sie geben den nötigen Rückhalt für ihre Balu-MogliBeziehung. Wenn Annette Rehfus auf das erste halbe Jahr mit ihren „HAWK-Balus“ zurückschaut, wünscht sie sich mehr! Mehr Studierende, die mit so viel Herzblut und Verbindlichkeit dabei sind. Interessierte Studierende können zum Sommersemester 2020 wieder einsteigen und die Patenschaft für ein Mogli für ein Jahr übernehmen und neben vielen wertvollen Erfahrungen und persönlicher Entwicklung 6 Credits für ihr Studium erlangen.

Foto: HAWK