Holzminden (red). Nicht die Jubilarin, sondern Kinder und Erwachsene in Holzminden waren es, die anlässlich des Stiftungsjubiläums beschenkt wurden! Und zwar während einer ganzen Woche mit künstlerischen Darbietungen auf hohem Niveau. Das Figurentheater Anke Berger eröffnete den Reigen mit einer One-Woman-Show in der Stadtbücherei. Mondstein, Wunschstein, Dinosaurierstein – schon vor Beginn des Märchens „Die Sterntaler“ gab es Geschenke für die Kinder. Das Märchen selbst handelte dann vom kleinen Mädchen, das nichts hat außer den Kleidern am Leib. Aber auch diese verschenkt es nach und nach aus Mitgefühl mit den noch Ärmeren, um schließlich selbst von den Sternen reich beschenkt zu werden. Auf zauberhafte Weise wurde dieses Thema mit verblüffend „einfachen“ Mitteln umgesetzt und zog das Publikum in seinen Bann.

Auch am zweiten und dritten Tag war Anke Berger im Einsatz – diesmal für die Grundschule Karlstraße sowie die Katholische Schule. Zweimal konnten jeweils 80 Kinder das Stück „Die 13. Fee“ erleben: Anders als im bekannten Märchen, geschah dies aus der Sicht jener 13. Fee, die nicht zum Fest ins Schloss eingeladen wird und daher wütend das Baby des Königspaares verwünscht. Da wurden die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken aufgefordert: Handelt es sich nun um eine böse oder eine gute Fee?

Mit dieser Frage ging es weiter in einem Theater-Workshops für den Jahrgang 3 der Grundschule Karlstraße zum Thema „Mobbing und Ausgrenzung“. „Wer mag keinen Johannisbeersaft?“ „Wer hat keine Geschwister?“ An solch einfachen Beispielen lässt sich deutlich machen, dass es Möglichkeiten zur Abgrenzung gibt. Wo ist dann die Grenze zur Ausgrenzung? Abermals war eigenes Denken der Kinder gefragt.

Ausdrücklich an Erwachsene richtete sich die Aufforderung der Theaterproduktion XWEISS „Trau Dich!“ Gemeinhin gilt es als höchstes Lob, wenn man sagt, eine Inszenierung habe alle Sinne angesprochen. Noch bewegender kann es allerdings sein, wenn nur ein Teil der Sinne angesprochen wird, weil andere – das Sehen, das Hören der realen Umwelt – ausgeschaltet sind. Dies konnten die überraschten Besucherinnen und Besucher hier erleben. Konfrontiert mit den Schrecken des Krieges in Syrien, erfuhren sie auf dem imaginären Basar von Aleppo, wie tröstend, absichernd, rettend das Ergreifen einer fremden Hand sein kann. Das Fühlen in wörtlichem Sinn, zugleich ein Mit-Fühlen, war hier intensiv gefordert. Um sich darauf einzulassen, benötigt man Vertrauen. Auf faszinierende Weise gelang es den Schauspielerinnen, dieses in den ihnen fremden Besucherinnen und Besuchern der Inszenierung zu wecken. Ein wunderbares Stück, das man gerne während des nächsten Straßentheaterfestivals in Holzminden jenen, die es diesmal verpasst haben, präsentieren würde.

Die letzte Veranstaltung war für die Jahrgänge 1 und 2 der Grundschule Karlstraße sowie der Katholischen Schule. Das vom letzten Straßentheaterfestival in Holzminden schon bekannte Theater Feuer und Flamme gastierte mit seiner „Polarsafari“: Pepe und Feodora sehen sich nach fünf Jahren wieder. Einer der beiden war während dieser Zeit am Nordpol, eine im Dschungel. 95 Abenteuer hatten sie erlebt: nun wurden Geschichten erzählt. Das war ebenso spannend wie lustig, und viele Kinder wurden – freiwillig oder unfreiwillig – in das Geschehen eingebunden und standen plötzlich auf der Bühne. Es war Theater zum Mitspielen, das allen Kindern viel Freude und Spaß bereitete.

Eine bessere Idee, ihren Geburtstag zu feiern, hätte die Braunschweigische Stiftung aus Holzmindener Sicht nicht haben können! Deshalb gilt der Dank der Stadt allen Verantwortlichen, die mit diesen Geschenken kulturelle Vielfalt an das Weserufer gebracht haben.

Foto: Stadt Holzminden