Marienmünster (TKu). Das Schloßtheater in Marienmünster steht vor der Auflösung: Der künstlerische Leiter und Geschäftsführer des Schlosstheaters, Wulf Dominicus, zieht sich aus der Leitungsfunktion des Schloßtheaters zurück. Höxter-News.de erreichte ein Schreiben, in dem Dominicus mittelt: „Hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich das Projekt Schlosstheater mit sofortiger Wirkung und hingegen anders lautender Ankündigung einstelle". Noch kürzlich gab Dominicus öffentlich bekannt, dass das Schlosstheater im nächsten Jahr ´bewusst defensiver´ in die Spielzeit gehen werde, was die Anzahl der Aufführungen betreffe. Geplant seien vorerst zehn Aufführungen mit der Option auf fünf weitere Termine aufzustocken, wenn es der Zuschauerzuspruch zulässt. Nun soll Schluss sein. Dominicus verweist unter anderem auf seine angeschlagene Gesundheit und die Irritationen um seine Person, die er gerne ausräumen möchte. In die Kritik geraten war Dominicus unter anderem, nachdem bekannt worden war, dass die Gelder aus mehreren Versteigerungen von handgemalten Bildern noch nicht wie versprochen als Spende an die SOS-Kinderdörfer gegangen sei. Dabei handelte es sich um die sogenannten „Pöter-Bilder" des Künstlers Thomas Golüke in der Spielzeit 2017. Pro Bild sollen etwa 100 Euro eingenommen worden sein bei insgesamt 15 Aufführungen und dutzenden versteigerten Bildern. Dominicus soll von 430 Euro gesprochen haben, die nach Abzug aller Kosten unter anderem für den Künstler selbst, noch an die SOS-Kinderdörfer im nächsten Jahr gespendet werden sollen. Nach den Vorwürfen hatte der Verein "Kultur im Schafstall" (kurz KISS) Dominicus ein Ultimatum gestellt, sich zu den Finanzen zu äußern. In dem Brief von Dominicus, der unsere Redaktion erreicht hat, gibt der Künstlerische Leiter weiterhin bekannt, dass nicht nur er selbst aufhöre, sondern auch das Schlosstheater im Zuge dessen aufgelöst und abgewickelt werde. Die Gründe für den Abschied seien vielfältig, aber insbesondere seine Gesundheit habe in den vergangenen Jahren extrem unter den Begleitumständen rund um das Schlosstheater gelitten. Nun wolle er mit seinem Schritt die Reißleine ziehen. Hohe Investitionen in Technik und Ensemble hätten sich nicht bezahlt gemacht. Die Zuschauerzahlen waren in diesem Jahr nicht das, was er sich versprochen hatte. Er liebe das Theater, die Musik und die Menschen, für die er spielen durfte. Der finanzielle Gewinn habe für Wulf Dominicus nie im Vordergrund gestanden, sondern der Spaß am Kreativen. Der genaue Wortlaut des Briefes lautet wie folgt:

"Liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung, liebe Fans und Unterstützer des Schlosstheaters! Mit diesem offenen Brief möchte hingegen anders lautender Ankündigungen meinen Abschied von der Schlosstheaterbühne bekannt geben und Ihnen mitteilen, dass auch das Schlosstheater im Zuge dessen aufgelöst und abgewickelt wird.

Diese Entscheidung ist mir unendlich schwer gefallen und es tut mir leid, die treuen Fans, Förderer und Wegbegleiter an dieser Stelle enttäuschen zu müssen. Die Gründe für den Abschied sind vielfältig, vor allem aber meine Gesundheit hat in den letzten Jahren extrem unter den Begleitumständen rund um das Schlosstheater gelitten und ich muss an dieser Stelle die Reißleine ziehen.

Es war in jedem Jahr eine Riesenfreude, Ihnen vergnügliche Stunden zu bereiten und mit wunderbaren Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. ?Und auch wenn wir in der letzten Spielzeit jeden Abend mit stehenden Ovationen verabschiedet wurden, so haben sich die jährlich immer größer werdenden Investitionen in die Technik, das Ensemble und die Dramaturgie letztendlich nicht bezahlt gemacht.

Intern haben wir uns viele Gedanken gemacht, wollten in der kommenden Spielzeit vieles anders und noch besser machen, aber dieses Risiko kann ich persönlich nicht mehr eingehen. ?Ich liebe das Theater, die Musik, die Menschen mit denen und für die ich inszenieren darf. Allerdings muss aus allen Anstrengungen heraus auch ein Mehrgewinn entstehen, nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für den Künstler. Damit ist in erster Linie nicht ein finanzieller Gewinn gemeint, denn Theater hier im ländlichen Bereich ohne Subventionen auf diesem Niveau zu gestalten, bedeutet immer, mit viel Idealismus zu arbeiten, sondern ein persönlicher Gewinn. Die Arbeit muss Spaß machen, sonst hat Kreativität keinen Raum, sich zu entfalten. Die Entwicklung in den letzten drei Jahren, der immer größer werden Erfolgs- und Erwartungsdruck in Kombination mit der aktuell entstanden Berichterstattung und den einhergehenden Mutmaßungen und Irritationen rund um meine Person haben mir die Freude an dieser Arbeit allerdings komplett genommen.

Sehr gerne bin ich daran interessiert, alle offenen Fragen und Fragezeichen in den nächsten Tagen zu Ausrufezeichen zu wandeln und werde dies auch tun. Ich stelle aber fest, dass gerade in der heutigen Zeit, der Fokus leider mehr auf die Schwächen und Fehler einer Person oder Institution gelenkt wird, als dass man anerkennt was positiv geleistet und abgeliefert wurde.

Meine Intention in all den Jahren des Kulturschaffens im Kreis Höxter war es stets, das Publikum mit einer guten Show und innovativen Ideen auf höchstmögliches Niveau zu unterhalten. In jedem Jahr bin ich dafür gerne das Risiko eingegangen auch mal Scheitern zu können und zu dürfen. Seit dieser Woche habe ich dieses Gefühl nicht mehr und ziehe nun die Konsequenzen. Im Zusammenhang mit dem der Kulturverein Kiss e.V., dem ich als ordentliches Mitglied angehöre, sind schwerwiegende Vorwürfe gegen mich erhoben worden. Es hat vom gesamten Verein ein Versäumnis gegeben offene Spendengelder weiterzureichen. Die Gelder sind nicht nur vorhanden, sondern werden in den nächsten Tagen übergeben und dienen dann letztlich dem guten Zweck und nicht der Diffamierung einer einzelnen Person.

Damit beende ich zunächst meinen kulturellen Beitrag in diesem wunderbaren Landstrich und werde die kommende Zeit nutzen um zu gesunden, neue Energien zu tanken und mir Gedanken zu machen, wann und wo es vielleicht ein Wiedersehen geben wird. Ich bedanke mich bei allen Gönnern, Freunden und Wegbegleitern des Schlosstheaters, bei unserem tollen Publikum und den fantastischen Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte.

Herzlichst,
ihr Wulf Dominicus"
Wulf Dominicus
Künstlerische Leitung und Geschäftsführung