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Sonntag, 14. Juni 2026 Mediadaten Fankurve
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Holzminden (red). Die CDU-Kreistagsfraktion hat sich bei einer Anhörung zur „Digitalen Ethik“ mit den Risiken digitaler Medien für Kinder und Jugendliche befasst. Im Mittelpunkt stand der Vortrag der Bestsellerautorin, Digitalbotschafterin und früheren Schulleiterin Silke Müller. Sie warb eindringlich für mehr Werteerziehung im Netz, konsequente Prävention und stärkeren Schutz junger Menschen vor Gefahren in sozialen Netzwerken und durch Künstliche Intelligenz.

„Wir brauchen mehr Menschlichkeit, Verantwortung und konkrete Prävention“, betonte Müller. Konsequentes Handeln müsse auf allen politischen Ebenen stattfinden, damit auch auf kommunaler Ebene. „Deshalb unterstütze ich ausdrücklich eine „Task Force“ zur Koordinierung und Initiierung von geeigneten Maßnahmen an allen Schulen des Landkreises Holzminden“.

Gefahren liegen nicht nur in der Bildschirmzeit

Zu Beginn ihres Vortrags wandte sich Müller gegen die aus ihrer Sicht verbreitete Fehleinschätzung vieler Erwachsener, Digitalisierung lediglich mit Technik oder der Dauer von Bildschirmzeit gleichzusetzen. Die eigentliche Bedrohung liege vielmehr in den Inhalten und Algorithmen, denen bereits Grundschulkinder auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Roblox ungeschützt ausgesetzt seien.

Kinder und Jugendliche würden im Netz zunehmend mit verstörenden Inhalten konfrontiert – von Gewalt- und Pornografiedarstellungen bis hin zu rassistischen oder kriegsverherrlichenden Inhalten. Auch die sorglose Preisgabe persönlicher Identität und Daten könne zum Verlust der eigenen Intimität führen. Besonders alarmierend sei nach Müllers Darstellung die niedrigschwellige Gefahr durch pädokriminelle Täter, die über sogenanntes Cybergrooming gezielt Zugang zu jungen Menschen suchten.

Mit Hilfe KI-gestützter Anwendungen könnten aus harmlosen Fotos täuschend echte sexualisierte Bilder entstehen. „Erst der Fall der Schauspielerin Fernandez hat Menschen zu Demonstrationen auf die Straßen gebracht und die Politik zum Handeln veranlasst“, wunderte sich Silke Müller. Dabei seien sogenannte Deepfakes unter Jugendlichen längst weit verbreitet.

Medienkompetenz soll früh beginnen

In einer zunehmend von Algorithmen gesteuerten Welt, in der Chatbots für Kinder oft als freundliche und scheinbar verständnisvolle Gesprächspartner aufträten, sprach sich Müller für einen analogen und digitalen Grundethos aus. Es gehe nicht darum, soziale Medien oder KI zu verteufeln. Entscheidend sei vielmehr, deren Nutzung werteorientiert zu diskutieren.

Müller appellierte an die Erwachsenen, die Lebenswirklichkeit von Kindern ernst zu nehmen und mit ihnen in einen aktiven, vorurteilsfreien Dialog zu treten. Werte wie Respekt, Würde und Achtsamkeit müssten auch in der digitalen Welt gelten. Entscheidend sei, Kinder dort nicht allein zu lassen. „Politik, Eltern, Schule, aber auch jeder einzelne von uns ist hier gefordert“, so der Appell der Bildungsexpertin.

Ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren könne nach Müllers Einschätzung dazu beitragen, Gefahren deutlicher sichtbar zu machen und Eltern zum Handeln zu motivieren. Ein reines Verbot ohne Konzept gehe allerdings an der Lebensrealität vorbei und könne Jugendliche in die Anonymität oder auf illegale Wege treiben. „Ein gesetzlicher Riegel darf niemals die Vermittlung von Medienkompetenz ersetzen“, betonte Müller. Medienbildung müsse deshalb flächendeckend bereits ab der ersten Klasse Bestandteil des Unterrichts sein.

Schulen fordern Unterstützung und Vernetzung

Gleichzeitig benötigten auch Schulen nachhaltige Unterstützung. Schon heute seien viele Lehrkräfte mit der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen überfordert. „Die Vermittlung von digitaler Ethik und Medienkompetenz ist eine Pflichtaufgabe“, erklärte Silke Müller. „Wir müssen den Mut haben, Lerninhalte zu streichen, um Zeit und Kapazitäten für diese wichtige Zukunftsaufgabe freizumachen“. Zudem seien Lehrerinnen und Lehrer keine IT-Fachkräfte. Wenn die Landesregierung Tablets zur Verfügung stelle, müsse sie auch den technischen Support gewährleisten.

Auf die Verantwortung des Landkreises für die Ausstattung der Schulen verwies die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfraktion, Sabine Echzell, bei der Vorstellung des Antrages „Digitales Lernen“. Der Medienentwicklungsplan müsse aus Sicht der CDU dringend fortgeschrieben und an aktuelle Anforderungen angepasst werden. Entscheidend sei zudem die Einrichtung einer Schulkonferenz zur stärkeren Vernetzung sowie die Erarbeitung einer digitalen Ethik. „Wir wollen den Erfahrungsaustausch ermöglichen“ und gute Ansätze zusammenführen, so die CDU-Politikerin.

Die von Müller beschriebenen Gefahren durch digitale Medien wurden nach Angaben der CDU von anwesenden Lehrkräften ausdrücklich bestätigt. „Das ist leider gelebte Praxis auch im Landkreis Holzminden“, lautete die Einschätzung aus den Schulen. Unterstützung sei dringend erforderlich. Ein Koordinierungsgremium könne dabei helfen. Entscheidend sei jedoch, dass daraus kein Debattierclub werde. Vielmehr müsse ein Kernteam gebildet werden, das bei Bedarf Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen einbeziehe. Müller berichtete zudem von positiven Erfahrungen mit der direkten Beteiligung von Schülerinnen und Schülern.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Schünemann zeigte sich erfreut über die breite Zustimmung zu dem Antrag und kündigte an, die Anregungen aufzunehmen. Besonders dankte er Silke Müller für ihren Beitrag und ihren Mut, die Risiken der digitalen Welt nachdrücklich aufzuzeigen. „Ihr Einsatz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen, ihre schonungslosen Analysen und ihre teilweise revolutionären Forderungen sind wirklich beeindruckend“, so Uwe Schünemann abschließend.

Foto: Carsten Minasch

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