Landkreis Holzminden (mhn). „Sind Sie dafür, dass die Oberschulen in Bodenwerder und Stadtoldendorf als eigenständige Schulen dauerhaft, einzeln und mit den notwendigsten Sanierungen der bestehenden Objekte erhalten bleiben?“ – über diese Fragestellung haben die Bürgerinnen und Bürger am heutigen Sonntag im Rahmen eines Bürgerentscheids im Landkreis Holzminden abgestimmt.
Trotz einer klaren Mehrheit für den Erhalt der Schulen unter den tatsächlich abgegebenen Stimmen ist der Bürgerentscheid am Ende gescheitert, da die erforderliche Mindestanzahl an Ja-Stimmen nicht erreicht wurde.
Landkreisweit wurden 9.622 Ja-Stimmen (67,27 Prozent) und 4.682 Nein-Stimmen (32,72 Prozent) abgegeben. Damit verfehlte die Initiative das notwendige Quorum von 11.507 Ja-Stimmen um 1.885 Stimmen. Für einen erfolgreichen Bürgerentscheid wäre neben dieser Mindestanzahl an Ja-Stimmen auch erforderlich gewesen, dass die Befürworter die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreichen – diese Voraussetzung wurde zwar erfüllt, das Quorum jedoch klar verfehlt.
Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei 25,9 Prozent. Es wurden 14.304 gültige Stimmen abgegeben.
Stimmen zum Wahlergebnis
Landrat Michael Schünemann:
„Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig. Auch wenn die Ja-Stimmen ein Übergewicht haben, liegen sie deutlich unter der erforderlichen Anzahl von 11.507 notwendigen Stimmen. Das zeigt, dass die Einwohnerinnen und Einwohner sehr wohl mit der Kreistagsentscheidung vom Januar 2024 einverstanden sind. Für unsere Verwaltung bedeutet das, dass wir unseren Auftrag aus der damaligen Entscheidung weiterverfolgen und damit die Schulentwicklung des Landkreises zukunftsfähig vorantreiben können. Ich glaube, dass auch die jetzigen Gegner dieser Entscheidung in ein paar Jahren erkennen werden, dass wir die richtigen Wege eingeleitet haben. Mein Dank gilt allen beteiligten Wahlhelferinnen und Wahlhelfern sowie Organisatorinnen und Organisatoren, sowohl im Landkreis als auch in den Gemeinden. Sie haben einen tollen Job gemacht."
Sabine Tippelt (Gruppenvorsitzende SPD):
„Die vergangenen Wochen waren besonders in den sozialen Medien sehr emotional geprägt. Jetzt haben wir endlich Klarheit, sodass wir den fraktionsübergreifenden Schulbeschluss zügig umsetzen können. Ich hoffe, dass die neue Schule positive Effekte bringt, wie etwa bei dem Neubau der OBS Holzminden und dem Umzug des Campe-Gymnasium Holzminden, welche für steigende Schülerzahlen sorgten. Für die kommenden Wochen wünsche ich mir deutlich weniger Emotionalität. Schade ist die geringe Wahlbeteiligung bei einem Thema, das den gesamten Landkreis betrifft.“
Hermann Grupe (Kreisvorsitzender und Fraktionsvorsitzender FDP):
„Ich habe viel nachgedacht und habe großes Verständnis dafür, dass sich viele Menschen eine Schule im eigenen Ort wünschen. Gleichzeitig müssen wir die bestmöglichen schulischen Bedingungen schaffen. Unsere Aufgabe ist es, beides so gut wie möglich zu vereinen. Alle sollen von der Neugestaltung der Schullandschaft profitieren und sich damit identifizieren können – auch diejenigen, die künftig längere Schulwege haben. Jetzt ist es entscheidend, die Wege, vor allem nach Eschershausen, möglichst kurz zu halten und ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Die Schule in Eschershausen müssen wir jetzt mit Leben füllen.“
Sabine Echzell (bildungspolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfraktion):
„Ich gratuliere der Bürgerinitiative zu einer großartigen Mobilisierung. Trotz des Ergebnisses haben sich viele Menschen beteiligt und damit – trotz kontroverser Diskussionen – ein zentrales demokratisches Mittel genutzt. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass Demokratie funktioniert. Das Ergebnis bringt Sicherheit für die ‚Schule am Vogler‘ und bietet gute Perspektiven, ein tragfähiges Schulkonzept umzusetzen. Ich hoffe, dass am Standort Eschershausen auch eine IGS entsteht – das wäre ein großer Schritt für die Bildungsqualität im Landkreis Holzminden.
Ich begleite dieses Thema seit 25 Jahren und weiß, warum es so schwer war, eine Entscheidung zu treffen. Umso erleichterter bin ich, dass der Landkreis jetzt unbelastet als Schulträger in die Ausschreibung gehen kann. "
Sebastian Rode (Samtgemeindebürgermeister Bodenwerder-Polle):
„Das ist eine Niederlage, ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht. Trotzdem muss man das relativieren: Rund 9.500 Ja-Stimmen sind ein starkes Signal. Viele Menschen haben ihre Stimme abgegeben und gezeigt, dass es auch Unzufriedenheit gibt. Die Menschen in Bodenwerder-Polle können stolz auf sich sein. Für mich ist das trotz allem ein Erfolg. Ich danke allen, die sich in den vergangenen Monaten bis zur letzten Sekunde engagiert haben. Es ist ein bittersüßes Ergebnis – ein Achtungserfolg, aber am Ende nicht genug.“
Michaela Meyer (Organisatorin der Bürgerinitiative „Rettet unsere Oberschulen“):
„Ich bin stolz darauf, wie viele Menschen ihre Stimme abgegeben und uns unterstützt haben. Am Ende hat es zwar nicht gereicht, auch wegen der geringen Wahlbeteiligung. Außerdem haben einige Menschen keine oder fehlerhafte Wahlunterlagen bekommen – das werden wir prüfen. Trotzdem bin ich sehr stolz auf das Ergebnis und die rund 9.500 positiven Stimmen. Als Bürgerinitiative sind wir uns einig: Wir sind stolz auf das, was wir in den vergangenen Monaten erreicht haben.“
Dirk Reuter (Fraktionsvorsitzender SPD):
„Ich werte das Ergebnis insgesamt positiv. Die rund 9.500 Ja-Stimmen sind ein Erfolg für die Bürgerinitiative, gleichzeitig liegt die Wahlbeteiligung nur bei etwa 25 Prozent – das entspricht rund 15 Prozent Zustimmung im gesamten Landkreis. Nach rund 20 Jahren Diskussion können wir den Kreistagsbeschluss jetzt umsetzen. Ich hoffe, dass das Thema damit befriedet ist und die Eltern endlich Klarheit über die zukünftige Schullandschaft haben.
Jetzt können wir uns auf die Schulqualität konzentrieren. In der Vergangenheit ging es oft um Kosten und Schulwege, aber zu wenig darum, ob das Schulkonzept eine Zukunft bietet. Wir wollen ein gymnasiales Angebot im Nordkreis etablieren – etwa durch eine IGS als modernes Schulsystem und somit die Schulqualität in unserem Landkreis steigern.“
Uwe Schünemann (Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion):
„Ich habe großes Verständnis für den Einsatz vieler Menschen für den Erhalt der Schulen. Gleichzeitig müssen wir die Schulqualität in den Mittelpunkt stellen, die durch die Zusammenlegung deutlich verbessert werden kann. Jetzt können wir mit Elan an die Umsetzung der neuen Schulstruktur gehen.“
Ergebnisse aus den Kommunen
In den einzelnen Kommunen zeigte sich ein erwartbares Abstimmungsverhalten: Im Flecken Delligsen wurden 212 Ja-Stimmen und 1.394 Nein-Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 25,66 Prozent gezählt. In der Samtgemeinde Boffzen entfielen 255 Stimmen auf „Ja“ und 211 auf „Nein“, bei einer Beteiligung von 9,13 Prozent. Die Samtgemeinde Bevern verzeichnete 718 Ja-Stimmen gegenüber 290 Nein-Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 21,11 Prozent. In der Stadt Holzminden wurden 1.062 Ja-Stimmen und 700 Nein-Stimmen gezählt, bei einer Wahlbeteiligung von 11,8 Prozent.
In der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle sprachen sich 3.988 Wählerinnen und Wähler für den Erhalt der Schulen aus, 508 stimmten dagegen. Hier lag die Wahlbeteiligung bei 37,18 Prozent.
Auch das Wahlergebnis in der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf wurde aktualisiert: 3.387 Ja-Stimmen (68,20 Prozent) standen 1.579 Nein-Stimmen (31,80 Prozent) gegenüber. Die Wahlbeteiligung lag hier bei 41,38 Prozent. Ein deutliches Votum für das Bürgerbegehren wurde in Stadtoldendorf, Arholzen, Deensen, Heinade, Lenne und Wangelnstedt erreicht, während in Eschershausen, Dielmissen, Eimen, Holzen und Lüerdissen mehrheitlich dagegen gestimmt wurde.
Rückblick auf Bürgerbegehren und Wahlkampf
Dem Bürgerentscheid war ein erfolgreiches Bürgerbegehren vorausgegangen. Von den am 18. Dezember 2025 übergebenen 7.123 Unterschriften wurden nach Prüfung 6.100 als gültig anerkannt. Damit wurde die erforderliche Anzahl deutlich überschritten und der Weg für die Abstimmung an diesem Sonntag freigemacht.
Im Vorfeld des Bürgerentscheids hatten sich sowohl Befürworter als auch Gegner der geplanten Fusion klar positioniert. Beide Lager warben intensiv und mit teils spitzer Feder um die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Die Auseinandersetzung wurde dabei emotional geführt und prägte die öffentliche Diskussion im Landkreis über Wochen hinweg.