Holzminden/Scharbeutz (red). Mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck sind 33 Jugendliche von der diesjährigen Jugendfreizeit der Kreisjugendpflege aus Scharbeutz zurückgekehrt. Gemeinsam mit sechs ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern verbrachte die Gruppe eine abwechslungsreiche Woche an der Ostsee. Auf dem Programm standen Ausflüge, gemeinsame Aktivitäten und Zeit zum Entspannen. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem das Miteinander.
Ferienfreizeiten bieten jungen Menschen die Möglichkeit, dem Alltag für einige Tage zu entkommen, neue Menschen kennenzulernen, Verantwortung zu übernehmen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Für die Kreisjugendpflege sind diese gemeinsamen Erlebnisse ein wichtiger Bestandteil ihrer pädagogischen Arbeit.
Ausflüge nach Hamburg und Lübeck
Zu den Höhepunkten in diesem Jahr gehörte ein Tagesausflug nach Hamburg mit einem Besuch der Elbphilharmonie und einem beeindruckenden Blick über die Hansestadt. Auch Lübeck wurde bei einem Ausflug mit anschließender Trave-Rundfahrt erkundet. Für Badespaß und Erholung sorgte der Besuch der Ostseetherme, bevor ein gemeinsames Pizzaessen auf der Scharbeutzer Promenade den Tag ausklingen ließ. Der HANSA-Park sorgte schließlich mit seinen Achterbahnen und anderen Fahrgeschäften für jede Menge Nervenkitzel.
Bei allen Programmpunkten ging es jedoch um mehr als das eigentliche Erlebnis. Ob bei Ausflügen, am Strand, beim Essen oder in der Unterkunft: Immer wieder entstanden Gelegenheiten für Gespräche, gegenseitige Unterstützung und neue Freundschaften. Gerade für Jugendliche, die sich vorher noch nicht kannten, entsteht so innerhalb weniger Tage eine Gemeinschaft, in der jeder seinen Platz finden und sich einbringen kann.
Pädagogische Arbeit auf Augenhöhe
Eine zentrale Rolle spielen dabei die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer. Sie organisieren nicht nur Ausflüge und Aktivitäten, sondern sind auch Ansprechpersonen, begleiten die Jugendlichen im Alltag, vermitteln bei Konflikten und schaffen einen verlässlichen Rahmen, in dem sich junge Menschen sicher und angenommen fühlen.
Freizeitleiter Daniel Janssen, Sozialarbeiter, begleitet die Ferienfreizeiten der Kreisjugendpflege bereits seit 2011 und hat inzwischen 20 Freizeiten betreut. „Für viele Jugendliche ist der Alltag inzwischen ziemlich vollgepackt. Schule oder Ausbildung, Verpflichtungen zu Hause, soziale Erwartungen und der ständige Druck, überall funktionieren zu müssen, lassen oft nur wenig Raum, einfach mal abzuschalten“, erklärt Daniel Janssen. „Während unserer Freizeit möchten wir den Jugendlichen genau diesen Raum geben. Hier müssen sie keine Rolle erfüllen und niemandem etwas beweisen. Sie dürfen einfach so sein, wie sie sind.“
Jugendliche sollen Verantwortung übernehmen
Gleichzeitig sollen die Jugendlichen eigene Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und ihre Ideen einbringen. „Uns ist wichtig, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, sie ernst zu nehmen und respektvoll miteinander umzugehen“, so Janssen. „Wir wollen einen Rahmen schaffen, in dem die Jugendlichen sich ausprobieren können und gleichzeitig erfahren, dass sie mit ihren Anliegen und Problemen nicht allein sind.“
Dass dieses Konzept funktioniert, zeige nach Angaben der Kreisjugendpflege die große Zahl an Jugendlichen, die immer wieder teilnehmen. Viele kennen das Betreuungsteam bereits aus vergangenen Jahren, gleichzeitig kommen jedes Jahr neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinzu. „Dass viele Jugendliche bereits seit mehreren Jahren immer wieder mit uns nach Scharbeutz fahren, zeigt uns, dass genau das bei ihnen ankommt. Für manche ist die Freizeit deshalb längst mehr als nur zehn Tage Urlaub an der Ostsee“, erzählt Janssen.
Vom Teilnehmer zum Betreuer
Ein Beispiel dafür ist Joel Stroot. Er nahm viele Jahre selbst an den Jugendfreizeiten teil und unterstützt das Team inzwischen zum fünften Mal als Betreuer. Aus dem Jugendlichen, der von der Gemeinschaft und Begleitung profitierte, ist ein Ehrenamtlicher geworden, der heute selbst Verantwortung übernimmt und die Freizeit für die nächste Generation mitgestaltet.
Auch Mareile Meyer, Sozialarbeiterin, gehört seit vielen Jahren zum festen Team. Seit 2012 ist sie als „Freizeitmutti“ dabei und hat inzwischen zwölf Freizeiten begleitet. Mit ihrer Erfahrung und ihrem offenen Ohr ist sie für viele Jugendliche eine wichtige Ansprechpartnerin.
Selbstständigkeit und verlässlicher Rahmen
Gerade bei einer Gruppe von mehr als 30 Jugendlichen ist es wichtig, die Gruppendynamik aufmerksam im Blick zu behalten. Nicht jeder spricht offen über Sorgen oder Probleme. Gleichzeitig brauchen Jugendliche Freiräume, um eigene Erfahrungen zu machen. Die Aufgabe des Betreuungsteams besteht deshalb darin, beides zu verbinden: Selbstständigkeit zu ermöglichen und gleichzeitig einen verlässlichen Rahmen zu bieten.
Alle sechs Betreuerinnen und Betreuer engagieren sich ehrenamtlich und übernehmen dabei eine große Verantwortung. Ihr Einsatz beginnt lange vor der Abfahrt mit der Planung und Vorbereitung und reicht während der Freizeit von der Begleitung der Ausflüge über die Organisation des Tagesablaufs bis hin zur Unterstützung bei Fragen, Sorgen oder Konflikten.
Ehrenamtliche als wichtige Bezugspersonen
Diese Verbindung aus Verantwortungsbewusstsein, pädagogischem Gespür und persönlichem Engagement ist nach Angaben der Kreisjugendpflege ein wesentlicher Grund für den Erfolg der Jugendfreizeiten. Die Ehrenamtlichen seien dabei weit mehr als Organisatorinnen und Organisatoren: Sie seien wichtige Bezugspersonen, Ansprechpersonen und Vorbilder für die Jugendlichen.
Am Ende bleiben vor allem die gemeinsame Zeit, viele neue Eindrücke und das gute Miteinander in Erinnerung. Mit diesen Erlebnissen ging es zurück nach Hause – und für viele steht schon fest: Beim nächsten Mal sind sie wieder dabei.
Die Kreisjugendpflege bedankt sich beim gesamten Team und bei allen Jugendlichen, die durch ihr Engagement und ihre aktive Beteiligung maßgeblich zum Erfolg der Freizeit beigetragen haben. „Ein solches Engagement ist nicht selbstverständlich und verdient unsere besondere Anerkennung und Wertschätzung“, so Kreisjugendpflegerin Ronja Dörge.
Fotos: Landkreis Holzminden