Bevern (red). Unter dem Motto „Leerstand gemeinsam gestalten“ hatte die LEADER-Region Interessierte, Engagierte sowie lokale Akteurinnen und Akteure ins Schloss Bevern eingeladen. Als Einblick in die Vielzahl an gestalterischen Möglichkeiten wurden zwei Projekte aus dem Landkreis vorgestellt und darüber hinaus eine Ausstellung mit Projekten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum eröffnet. Neben Sebastian Rode, dem Vorsitzenden der Lokalen Aktionsgruppe, begrüßten auch Sabine Tippelt als stellvertretende Landrätin und Ottmar von Holtz, Landesbeauftragter für regionale Landesentwicklung Leine-Weser, das interessierte Publikum.
Abend der Dörfer trifft auf Dorfmoderation
Der Abend der Dörfer wurde in diesem Jahr mit dem Treffen der Dorfmoderatorinnen und Dorfmoderatoren aus ganz Südniedersachsen verknüpft und diente neben dem Austausch auch als Einstieg in das Jubiläumsjahr zum 25-jährigen Bestehen der VoglerRegion im Weserbergland als LEADER-Region.
Worin steckt die größte Chance bei der gemeinschaftlichen Reaktivierung von Leerstand? Und was braucht es dazu? Diese Fragen stellte Christine Bossow, Regionalmanagerin der VoglerRegion, dem Publikum gleich beim Betreten des Veranstaltungsortes per digitaler Umfrage. Die Ergebnisse deckten sich mit dem, was die Vortragenden berichteten: Es brauche vor allem Gemeinschaft, Zusammenhalt und engagierte Menschen. Aber das allein reiche natürlich noch lange nicht.
Bürgergenossenschaft saniert Immobilie in Holzminden
Was sonst noch nötig ist, stellte Stefan Woelke dar. Er ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Bürgergenossenschaft Holzminden, die 2020 eine Immobilie in der Innenstadt erworben hat und diese nun gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen in mittlerweile mehr als 1.000 Arbeitsstunden saniert. Mithilfe von LEADER-Mitteln wird aktuell der Innenausbau vorangetrieben und das Gebäude im „sozialen Miteinander gemeinsam gestaltet“.
Auch aus Vahlbruch erhielten die interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer Eindrücke. Die kleine Gemeinde zeigte auf, wie sie mit einem „Schandfleck“ im Ort umgegangen ist: einst angesehenes Wirtshaus, später kurzzeitig Flüchtlingsheim – künftig ein liebevoll gestalteter Dorfplatz als Ort für Begegnung im Zentrum des Dorfes.
Vahlbruch schafft neuen Ort der Begegnung
Sandra Gnichwitz, Bürgermeisterin der Gemeinde Vahlbruch, stellte gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Ivonne Seebaum das Projekt vor und berichtete von den Herausforderungen für die Gemeinde auf der Ottensteiner Hochebene. Sie machte auch deutlich, welche Chancen sich für die Ortschaft aus der selbst gestalteten Dorfentwicklung und den daraus resultierenden Fördermitteln ergeben hätten – und nicht zuletzt, wie sehr sich die Dorfgemeinschaft auf den neuen Begegnungsort freue.
Solche Orte der Begegnung seien nicht nur ein nettes Extra, sondern wichtig für eine lebendige Demokratie. Diesen größeren Bogen spannte Manuel Slupina von der Wüstenrot Stiftung. Im Themengebiet „Stadt und Land“ sucht die Stiftung nach Wegen, wie sich das Gemeinwesen den vielfältigen Herausforderungen der Zukunft stellen kann. Durch Wettbewerbe will sie das Engagement vor Ort würdigen und gute Beispiele bekannt machen.
811 Projekte bei Wettbewerb eingereicht
Wie groß dieses Engagement ist, zeigte sich anhand der letzten Ausschreibung der Stiftung, die unter der Überschrift „Mehr Orte für Viele“ lief: 811 Projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden eingesendet – eine Rekordzahl. Die daraus ausgewählten, prämierten und zu einer Ausstellung aufbereiteten Projekte reichen von der Umnutzung eines Hallenbades in ein Kulturzentrum über den Umbau von stillgelegten Bahnhöfen zu Begegnungsstätten bis hin zu einem Backhaus für gemeinschaftliches Backen, das aus einem ehemaligen Feuerwehrturm entstand.
Verantwortung vor Ort übernehmen und gemeinsam gestalten – das sind nicht nur Kennzeichen der prämierten Projekte, sondern auch Grundmerkmale von LEADER. Seit 25 Jahren besteht die „VoglerRegion im Weserbergland“. Mit dem Abend der Dörfer startete ihr Jubiläumsjahr.
VoglerRegion startet in ihr Jubiläumsjahr
Die Grußworte von Sabine Tippelt als stellvertretende Landrätin und Ottmar von Holtz, Landesbeauftragter für regionale Landesentwicklung Leine-Weser, trugen zu einem feierlichen Rahmen bei. Beide schlugen einen Bogen von den vielfältigen Erfolgen eines Vierteljahrhunderts als LEADER-Region zu den ungewissen Aussichten mit Blick auf die künftige Ausgestaltung der Förderung.
„LEADER braucht auch nach 2027 eine starke Zukunft – mit ausreichend Mitteln, praktikablen Regeln und Entscheidungsspielraum vor Ort“, stellte Sabine Tippelt fest. Ottmar von Holtz resümierte: „Die vergangenen 25 Jahre in der VoglerRegion zeigen, wie viel möglich ist, wenn Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen und gemeinsam neue Ideen für Leerstand in ihren Dörfern entwickeln. Damit das auch künftig gelingt, setze ich mich für ausreichende Gestaltungsspielräume und Fördermöglichkeiten ein.“
Informationen zur LEADER-Region
Informationen rund um LEADER in der VoglerRegion sind unter www.vogler-region.de zu finden. Für Fragen steht das Regionalmanagement per E-Mail an
Fotos: Landkreis Holzminden / Trisha Daniel