Göttingen (red). Am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) ist das überregionale Netzwerk „Lungenkrebs CT-Screening Mitteldeutschland“ gegründet worden. Mehr als 100 klinisch tätige Ärztinnen und Ärzte aus Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt arbeiten künftig zusammen, um Lungenkrebs bei Menschen mit einem erhöhten Risiko möglichst früh zu erkennen. Gleichzeitig etabliert das EKW als Teil des Lungentumorzentrums Universität Göttingen (LTZ) das erste Zentrum für qualitätsgesicherte Lungenkrebs-Früherkennung in Niedersachsen.
Frühe Diagnose verbessert Heilungschancen
Lungenkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Bei Männern ist er die zweithäufigste, bei Frauen die dritthäufigste Tumorerkrankung. Häufig verursacht die Erkrankung jedoch erst in einem fortgeschrittenen Stadium Beschwerden. Wird Lungenkrebs erst in den Stadien III oder IV diagnostiziert, sind die Heilungschancen deutlich geringer. Eine Diagnose im frühen Stadium I gilt deshalb als entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Behandlung.
Vor diesem Hintergrund hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Juni 2025 die Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT, LDCT) als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen. Anspruch auf die Untersuchung haben Menschen im Alter von 50 bis 75 Jahren, die aktuell seit mindestens 25 Jahren rauchen oder vor weniger als zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört haben. Zusätzlich müssen mindestens 15 sogenannte Packungsjahre vorliegen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.
Erstes Zentrum in Niedersachsen
Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende ist derzeit das erste und bislang einzige Zentrum in Niedersachsen, das diese qualitätsgesicherte Lungenkrebs-Früherkennung vollständig anbietet. Nach der CT-Untersuchung können dort sowohl Erst- als auch Zweitbefundungen erstellt werden. Gemeinsam mit der Universitätsmedizin Göttingen werden anschließend alle weiteren diagnostischen und therapeutischen Schritte interdisziplinär abgestimmt.
„Nach dem Auswahlgespräch und der Voruntersuchung durch unsere zuweisenden Experten des Netzwerks in fünf Bundesländern erhalten die Teilnehmer in unserer Institutsambulanz am Weender Krankenhaus eine Ultra-Low-Dose-Computertomografie mit hochdetaillierter Darstellung der Lunge“, erklärt Prof. Dr. Christoph Engelke, Initiator des Netzwerks und Chefarzt der Abteilung Diagnostische und Interventionelle Radiologie am EKW. „Die Untersuchung wird ohne Kontrastmittel durchgeführt und dauert nur wenige Minuten.“
Moderne Technik mit geringer Strahlenbelastung
Prof. Dr. Christoph Engelke gilt als international anerkannter Experte für Thoraxbildgebung und die CT-Frühdiagnostik von Lungenkrebs. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit der CT-Detektion von Lungenrundherden und hat zahlreiche Fachpublikationen veröffentlicht.
„Ein wesentlicher Vorteil unserer durch künstliche Intelligenz unterstützten Ultra-Low-Dose-CT ist die äußerst geringe Strahlenbelastung. Sie entspricht durchschnittlich der Röntgendosis von zwei Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und liegt damit deutlich unter den gesetzlichen Anforderungen für das CT-Screening“, so Engelke. Die Lungen würden hochauflösend dreidimensional erfasst und Herdbefunde volumetrisch ausgewertet. „Die Vorteile der Niedrigdosis-Computertomografie sind in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt. Sie ermöglicht die Erkennung kleinster Tumorherde im Millimeterbereich.“
Interdisziplinäre Behandlung ohne Zeitverlust
Nach Abschluss der Untersuchung erhalten die Teilnehmenden ihren Befund und werden bei Bedarf ausführlich beraten. Zeigen sich Hinweise auf einen möglichen Lungentumor, erfolgt ohne Zeitverlust die Vorstellung in der interdisziplinären Tumorkonferenz des Lungentumorzentrums Universität Göttingen am Partnerstandort Universitätsmedizin Göttingen. Dort beraten Radiologen, Pneumologen, Thoraxchirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen und Nuklearmediziner gemeinsam über das weitere Vorgehen.
Jährliche Kontrollen und Hilfe beim Rauchstopp
Teilnehmende des Programms werden dauerhaft in das strukturierte Früherkennungsprogramm aufgenommen und jährlich erneut untersucht. Die Folgetermine werden jeweils direkt vereinbart, um eine kontinuierliche Betreuung sicherzustellen.
Zum Konzept des Netzwerks gehört außerdem die Unterstützung bei der Rauchentwöhnung. Teilnehmende erhalten Informationen zu Beratungsangeboten – beispielsweise in der Raucherentwöhnungsambulanz der Universitätsmedizin Göttingen –, da der Verzicht auf das Rauchen weiterhin die wirksamste Maßnahme zur Senkung des persönlichen Lungenkrebsrisikos darstellt.
Bis zu 40 Untersuchungen täglich geplant
Das Institut am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende ist nach den Vorgaben der Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung 2024 durch das Gewerbeaufsichtsamt und das Land Niedersachsen genehmigt und besitzt die volle Ermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen.
„Alle beteiligten Radiologen verfügen über den Q2-Zertifikatsstatus der Deutschen Röntgengesellschaft und erfüllen die geforderten fachlichen Qualitätsanforderungen. Wir planen kurzfristig den Einsatz von zehn Radiologen unter Einbeziehung mehrerer lokal ansässiger radiologischer Facharztpraxen und werden zunächst bis zu 20, nach einem Jahr bereits bis zu 40 Untersuchungen pro Tag durchführen können“, sagt Prof. Dr. Engelke.
„Mit dem Netzwerk schaffen wir erstmals eine flächendeckende, qualitätsgesicherte überregionale Versorgung für die Lungenkrebsfrüherkennung in Mitteldeutschland“, betont der Chefarzt. Ziel sei es, möglichst viele Menschen aus der Hochrisikogruppe regelmäßig zu untersuchen. Je früher ein Lungentumor erkannt werde, desto größer seien die Heilungschancen. Gleichzeitig könnten dadurch künftig weniger Patientinnen und Patienten erst in den prognostisch ungünstigen Stadien III und IV diagnostiziert werden.
Kontakt zur Teilnahme am Lungenkrebs-CT-Screening:
Internet: https://www.ekweende.de/radiologie
E-Mail:
Telefon: 0551 5034-6082
Foto: Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH

