Anzeige
commercial-eckfeld https://commercial.meine-onlinezeitung.de/images/Holzminden/Eckfeld/Schwager_NEU_Eckfeld_01_2023.jpg#joomlaImage://local-images/Holzminden/Eckfeld/Schwager_NEU_Eckfeld_01_2023.jpg?width=295&height=255
Anzeige
Holzminden

Holzminden (haa). Wer in Holzminden lebt, dürfte dem Namen Björn Schrader schon einmal begegnet sein. Auf seinen sozialen Medien äußert er sich regelmäßig zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Bei einem lockeren Gespräch im Holzmindener Essighof erzählt er, was ihn dazu bewegt, was ihn umtreibt, wie er sich eine Gesellschaft vorstellt und warum ihn möglicher Gegenwind nicht zum Schweigen bringt.

Ein Moment der Bestätigung

Auf die Frage, ob es einen konkreten Moment gab, der ihn in seiner politischen Positionierung bestärkte, erzählt Schrader von einer Demonstration von „Holzminden ist bunt“, an der er teilnahm. In der Hand hielt er ein Plakat mit einem Spruch gegen die AfD. Als er anschließend zu Hause in seiner Küche stand, kam ihm zunächst ein beunruhigender Gedanke: „Ich bin nicht völlig unbekannt in Holzminden. Es könnten Fotos von mir und dem Schild online gehen. Vielleicht könnte mir dann jemand etwas Böses wollen.“

Doch kurze Zeit später kam ihm eine andere Erkenntnis: „Wenn ich mir nur aufgrund eines Plakates solche Sorgen mache, dann läuft etwas falsch.“ Für Schrader war dieser Moment weniger eine Entscheidung, überhaupt politisch Stellung zu beziehen. Vielmehr habe er sich in seiner Positionierung kurz verunsichert und anschließend selbst darin bestätigt gesehen.

Viele Menschen seien seiner Meinung nach zu bequem oder trauten sich nicht, sich politisch zu äußern. „Ich habe eine klare politische Meinung und ein klares Bild von einer Gesellschaft“, sagt Schrader. Er scheue sich nicht, diese auch öffentlich mitzuteilen.

„Die Ränder sind laut, die Mitte ist stumm“

Am 30. Juli veröffentlichte Schrader auf Facebook einen Beitrag zur Kommunalwahl. Auf dem Foto trägt er ein T-Shirt mit der Aufschrift „Biciclista Antifascista“ – antifaschistischer Radfahrer. Im dazugehörigen Text schreibt er unter anderem: „Im September – Hirn einschalten. Demokratisch wählen.“

Er könne verstehen, wenn das für manche provokativ wirke. Für ihn sei die Botschaft jedoch eindeutig: „Es geht nicht darum, jemanden zu belehren. Ich sage nicht, wählt den oder den. Ich möchte nur, dass man sich vor der Wahl Gedanken macht, welche Partei wirklich die beste Option ist. Ich unterstelle niemandem, dass er nicht nachdenkt. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, sich mit den Inhalten zu beschäftigen.“ Wer sich tatsächlich mit den Wahlprogrammen auseinandersetze, müsse sich von der Formulierung „Hirn einschalten“ auch nicht angesprochen fühlen, meint Schrader.

Auch das T-Shirt könne eine Angriffsfläche bieten. Für ihn handele es sich dabei jedoch lediglich um einen Aufruf gegen Faschismus und damit um eine für ihn selbstverständliche politische Haltung.

Am 12. August veröffentlichte Schrader einen weiteren Beitrag und thematisierte darin die Reaktionen auf seine Positionierung gegen Faschismus. Mit dem Narrativ „Links-grün-Antifa“ werde er immer wieder konfrontiert. „Schubladen-Denken ist eben vor allen Dingen einfach. Schubladen sind vorgefertigte Meinungen, die eine Auseinandersetzung mit anderen Positionen vermeiden“, sagt er.

Auf die Frage, warum er sich trotz solcher Zuschreibungen weiterhin positioniere, antwortet Schrader: „Damit entlarve ich diesen Mechanismus und das spornt mich an.“ Man müsse allerdings damit klarkommen, dass manche Menschen nicht bereit seien, sich auf eine politische Auseinandersetzung einzulassen. Deshalb sei es auch nicht wert, weiter auf deren Reaktionen einzugehen.

Viel Gegenwind für seine politischen Äußerungen habe er bislang nicht erfahren. Kommt es jedoch dazu, denke er sich: „Was soll’s denn?“ Seine Meinungen seien „mehrheitstauglich“, sagt Schrader, und er glaube, dass viele andere das ähnlich sähen. Außerdem würde er niemanden zwingen, ihm zu folgen oder seine Beiträge zu lesen. Er habe aber den Eindruck, dass die Menschen dünnhäutiger und die Zündschnur kürzer geworden seien.

Dennoch stehe es jedem frei, seine Meinung zu äußern. Von den Befindlichkeiten anderer dürfe man sich nicht einschüchtern lassen. Schrader sieht allerdings ein anderes Problem: „Leute, die schreien, glauben, dass sie Teil der Mehrheit sind, weil ihre Stimmen stärker wahrgenommen werden.“ Die tatsächliche Mehrheit werde durch ihr Schweigen weniger sichtbar. „Die Mehrheit muss öffentlich wahrnehmbarer werden.“

Für seine öffentlichen Äußerungen sei er bereits als mutig bezeichnet worden. Laut ihm habe das jedoch nichts mit Mut zu tun: „Das ist Common Sense.“ Dass es überhaupt als mutig wahrgenommen werde, seine Meinung öffentlich zu vertreten, gefalle ihm nicht. „Ich lebe in einem Land, in dem ich meine Meinung vertreten darf.“ Nur bei Themen, bei denen er sich nicht gut genug auskenne, würde er „die Schnauze halten“.

Die optimale Lösung gibt es nicht

Die zunehmende Polarisierung nimmt Schrader als eine Entwicklung wahr, die insbesondere durch soziale Medien, aber auch durch die Medienlandschaft verstärkt werde. Von reißerischen Überschriften hält er wenig. Sie seien zwar ein journalistisches Werkzeug, könnten seiner Ansicht nach aber dazu beitragen, dass Informationen schwerer einzuordnen seien.

„Mittlerweile wird über jede Kleinigkeit berichtet. Die Masse an Informationen kann Menschen überfordern und dazu führen, dass Zusammenhänge falsch oder unvollständig wahrgenommen werden.“

Für Schrader fühlt sich die Gesellschaft zunehmend atemlos an. Es entstehe der Eindruck, zu nahezu jedem Thema müsse man eine Meinung haben. Etwas passiere – und schon positioniere man sich.

Gerade bei dynamischen Entwicklungen könne sich der aktuelle Wissensstand verändern und damit auch die eigene Einschätzung. „Man bildet eine Position auf Basis des neuesten Stands, aber morgen kann der Stand wieder ein anderer sein und damit auch die eigene Position.“ Bei einer späteren Umpositionierung stoße man jedoch häufig auf Unverständnis: „Aber letzte Woche hast du noch das und das gesagt.“ Dabei müsse eine veränderte Einschätzung in diesem Zusammenhang nicht bedeuten, dass man seine Position beliebig wechsle, findet Schrader.

Es sei wichtig, andere Meinungen aushalten zu können. Er selbst schaffe das an etwa 60 Prozent der Tage. An den übrigen habe auch er manchmal Schwierigkeiten, Verständnis und Akzeptanz aufzubringen. „Ich bin auch nicht an jedem Tag gerecht, aber ich versuche es so gut es geht“, betont er.

Politische Diskussionen könnten unbefriedigend sein, wenn unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen und kein gewünschtes Ergebnis erreicht werde. Dennoch müsse man akzeptieren, wenn es keine optimale Lösung gebe. „Die optimale Lösung gibt es ohnehin nicht, es handelt sich immer um Kompromisse, die geschlossen werden.“

„Wie kann ich helfen?“ sollte zur Normalität werden

Aus Schraders Sicht funktionieren die Gesellschaft und das System grundsätzlich. Es sei an vielen Stellen nicht fehlerfrei, doch der Alltag klappe einigermaßen. Gerade weil der Alltag grundsätzlich funktioniere, würden Menschen seiner Ansicht nach bequemer und sähen weniger Anlass, sich politisch zu engagieren.

Seiner Meinung nach sei die Gesellschaft derzeit nicht in der Lage, größere Probleme wie Migration und Rente zu lösen, während gleichzeitig Bereiche infrage gestellt würden, die eigentlich funktionierten. Dahinter stehe zunehmend ichbezogenes Handeln – „anstatt, dass jeder seinen Hut in den Ring wirft“.

Besonders Menschen, die über Mittel und Ressourcen verfügten, würden seiner Ansicht nach zu selten als Vorbilder für jüngere Generationen dienen. „Es geht meistens um Profit und Gewinn und zu selten darum, etwas für die Allgemeinheit zu tun“, meint Schrader.

Er selbst organisiert regelmäßig Aufräumspaziergänge, auch bekannt als „Nestputz“. Schon öfter sei er gefragt worden: „Warum tust du das eigentlich?“ Seine Antwort: „Weil es mir nicht weh tut. Ich gebe, weil ich es möchte und weil es mir ein gutes Gefühl gibt.“

Für Schrader kann jeder in seinem eigenen Rahmen etwas für die Gesellschaft tun. Dass gesellschaftliches Engagement häufig besonders hervorgehoben werde, gefalle ihm nicht: „Für mich müsste die Frage: Wie kann ich helfen?“ zur Normalität werden.

Er erzählt von einer Situation auf dem Holzmindener Marktplatz. Dort habe jemand ganz ungeniert den Hitlergruß gezeigt. Schrader habe ihn darauf aufmerksam gemacht. „Viele hätten verständlicherweise nichts gesagt.“

Für ihn lasse sich die Situation aber auf ein grundlegenderes Problem übertragen. Häufig herrsche das Motto: „Soll sich wer anderes darum kümmern.“ Es gehe ihm dabei nicht darum, sich selbst als moralischen Kompass darzustellen. Vielmehr wolle er Menschen daran erinnern, dass gesellschaftliche Verantwortung nicht immer bei anderen beginnen müsse.

In seinem Kopf habe er ständig neue Ideen, um mehr Menschen einzubeziehen. Zuletzt habe er darüber nachgedacht, sich mit einem Tisch und zwei Stühlen auf den Marktplatz zu setzen. Dazu ein Schild mit der Aufschrift: „Wir müssen reden.“ Damit wolle er einen Raum für politische und gesellschaftliche Gespräche schaffen.

Wenn Politik zum Feindbild wird

Auch die politische Polarisierung beschäftigt Schrader. „Das Paradebeispiel ist das Feindbild der grünen Politik, das über Jahre aufgebaut wurde“, sagt er. Dadurch würden Vorschläge der Partei teilweise gar nicht erst angehört. Auch etablierte Parteien hätten diese Entwicklung seiner Ansicht nach mitbefördert. „Lenke ich die Aufmerksamkeit auf andere, kann ich meine Dinge leichter machen.“

Dass Unterschiede nicht immer das Entscheidende sein müssten, habe ihm auch ein Bekannter aus seiner Jugend gezeigt. Dieser habe ihm 2008 erzählt, dass er bei seinem Arbeitgeber durchgesetzt habe, fünfmal am Tag beten zu können. Zunächst habe Schrader das kurios gefunden. Dann habe sein Bekannter einen Satz gesagt, der ihn nachhaltig geprägt habe: „Egal ob Christ oder Moslem, wir wollen beide nach Hannover, der eine fährt halt über Hildesheim und der andere über Hameln. Das Ziel bleibt dasselbe, nur der Weg ist ein anderer.“

Da sei ihm klar geworden, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gebe und dass man sich nicht immer nur auf die Unterschiede konzentrieren sollte.

Schrader hält die AfD für eine Partei, die Sachzwänge und Zusammenhänge zu wenig berücksichtige. Sie suche nach unterkomplexen Antworten und trage damit zur weiteren Polarisierung bei. Gleichzeitig betont er, dass auch die etablierten Parteien sicherlich nicht für jedes Problem eine optimale Lösung hätten. Entscheidend sei vielmehr, den bestmöglichen Kompromiss zu finden. Diesen Ansatz sehe er bei den politischen Rändern links und rechts der Mitte eher nicht.

Dass sich manche Menschen immer weiter extremisierten, führt Schrader auf Unsicherheit zurück. „Wenn Menschen Halt verlieren, dann holen sie sich den Halt woanders“ – etwa in politischen Extremen oder in der sogenannten Alpha-Männer-Bewegung. Die politischen Ränder könnten für manche Menschen attraktiv sein, weil sie Gemeinschaft und Orientierung versprächen.

Unverständlich sei für ihn eine Politik auf Kosten der Schwächsten. „Die Bürgergeldempfänger haben keine Lobby und sind meistens die Sündenböcke – denen kann man es wegnehmen. Das halte ich für falsch.“

Eine fertige Lösung habe auch er nicht. Er beobachte jedoch die politische Situation. Statt einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen, müsse Politik die Menschen besser mitnehmen und ihnen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe geben.

Mehr miteinander reden, weniger übereinander urteilen

Für Schrader ist es elementar, dass Menschen mehr miteinander kommunizieren. Als Beispiel führt er eine Metapher an: „Stell dir vor, hier liegt eine Zitrone und wir beide sagen: ‚Die brauche ich.‘ Was wäre der naheliegende gerechte Kompromiss? Jeder bekommt eine Hälfte der Zitrone. Aber vielleicht möchte der eine nur den Saft für eine Limonade und der andere die Zeste, um damit zu backen.“

Beide hätten ihre Bedürfnisse vollständig erfüllen können, wenn sie sich vorher besser ausgetauscht hätten.

Am Ende des Gesprächs formuliert Schrader einen Appell an seine Mitmenschen: „Anstatt nur zu schauen, ob man selbst maximal davon profitiert, einfach mal einen Schritt aus der Komfortzone wagen, auf Menschen zugehen, mal einfach „was“ machen – das kann sehr bereichernd sein.“

Er selbst habe das bereits mehrfach getan und jedes Mal davon profitiert. Der gesellschaftliche Austausch beginnt für Schrader genau dort, wo Menschen aufhören, nur übereinander zu reden und anfangen, miteinander zu sprechen.

Foto: Privat


Anzeige
Lesedauer: 3 Minuten
Anzeige

Politische Werbung - Delligsen. Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, nachdem wir im ersten Video auf das geschaut haben, was wir im Flecken bereits geschafft haben, geht der Blick nun nach vorn. Als euer Bürgermeisterkandidat trete ich an, um Bewährtes zu sichern und Delligsen verlässlich in die Zukunft zu führen.

Mein Programm für unsere Heimat setzt fünf klare Schwerpunkte:

  • Sicherheit stärken: moderne Ausstattung unserer Feuerwehren, die Einhaltung der 15-Minuten-Frist im Rettungsdienst und der schnelle Abschluss der LED-Straßenbeleuchtung.
  • Ehrenamt & Vereine fördern: Freibäder, Vereine und Veranstaltungen verdienen verlässliche Unterstützung. Gleichzeitig möchte ich bürokratische Hürden für Ehrenamtliche abbauen.
  • Wirtschaft stärken: Ein starkes Gewerbe sichert Arbeitsplätze und unsere finanzielle Handlungsfähigkeit. Dafür braucht es kurze Wege und schnelle Genehmigungen in der Verwaltung.
  • Familie & Bildung im Fokus: verlässliche Kinderbetreuung, der zügige Abschluss des Neubaus der Oberschule mit den neuen Räumlichkeiten unserer Grundschule sowie neue Baugebiete in allen Ortsteilen mit transparenten Preisen.

Verwaltung modernisieren: Mehr Tempo bei Bau- und Infrastrukturvorhaben. Eine eigene Ingenieurstelle im Rathaus soll uns unabhängiger von externen Büros machen und Projekte schneller voranbringen.

Im neuen Video zeige ich euch, wie und wo ich diese Ziele im Flecken umsetzen möchte. Schaut rein und lasst uns gemeinsam anpacken!

Politische Werbung

Auftraggeber und finanziert durch: SPD-Ortsverein Delligsen

Anzeige

Lesedauer: 1 Minute
Landkreis Holzminden

Region (red). Rabatte sichern, regionale Unternehmen entdecken und dabei bares Geld sparen: Auf der Deals-Seite von www.meine-onlinezeitung.de/deals warten regelmäßig neue Angebote, Rabattaktionen, Gutscheine und Angebotsflyer aus der Region.

Ob Gastronomie, Einzelhandel, Handwerk oder Dienstleister – viele Unternehmen präsentieren hier ihre aktuellen Aktionen. Da die Deals wöchentlich und teilweise sogar täglich wechseln, lohnt sich ein regelmäßiger Besuch.

Mit jedem genutzten Angebot profitieren nicht nur die Kundinnen und Kunden – auch die regionale Wirtschaft wird gestärkt. Wer kein Schnäppchen verpassen möchte, schaut am besten regelmäßig auf www.meine-onlinezeitung.de/deals vorbei. Denn das nächste Top-Angebot wartet vielleicht schon heute.

Anzeige