Lauenförde (red). Der Wasser- und Bodenverband Lauenförde startet mit Unterstützung des Landkreises Holzminden ein Pilotprojekt zum dezentralen Wasserrückhalt. Ziel ist es, mit einfachen Maßnahmen Wasser bereits in der Landschaft zu bremsen, bei Starkregen Abflussspitzen zu verzögern und zugleich Versickerung und Grundwasserneubildung zu fördern.
Wie wichtig Vorsorge sein kann, zeigen mehrere Ereignisse in unmittelbarer Nähe: 2018 verwandelte ein nur etwa 15 bis 20 Minuten dauernder Wolkenbruch in Ottbergen innerhalb kürzester Zeit Straßen in Wasserläufe und setzte erhebliche Wasser- und Schlammmassen in Bewegung. 2019 traf es Brakel-Erkeln, 2022 sorgten Starkregen und eine Schlammlawine in Boffzen für erhebliche Schäden und im August 2024 folgte die Katastrophe in Gottsbüren.
Verband will Umgang mit Wasser neu betrachten
Seit seiner Gründung im Jahr 1970 kommt der Wasser- und Bodenverband seiner Aufgabe nach, für einen geordneten Wasserabfluss im Verbandsgebiet zu sorgen und seine dafür notwendige Infrastruktur zu unterhalten. Daran wird sich auch künftig nichts ändern. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre geben jedoch Anlass, den Umgang mit Wasser neu zu betrachten.
Neben dem sicheren Abfluss kann es an geeigneten Stellen ebenso sinnvoll sein, Wasser bereits in der Landschaft zu bremsen und zeitweise zurückzuhalten. Damit geht der Verband bewusst über seine klassische Unterhaltungstätigkeit hinaus. Auch wenn eine solche weitergehende Starkregenvorsorge nicht zu seinen klassischen Aufgaben gehört, möchte er vorhandene Möglichkeiten nicht ungenutzt lassen. Das Pilotprojekt soll zeigen, was mit einfachen und praktikablen Maßnahmen zusätzlich erreicht werden kann.
Verbandsgebiet nimmt Wasser aus größerem Einzugsbereich auf
„Unser Verbandsgebiet liegt oberhalb von Lauenförde und Würgassen und nimmt bei stärkeren Niederschlägen Wasser aus einem deutlich größeren Einzugsbereich auf. Dazu gehören Flächen der Niedersächsischen Landesforsten sowie Oberflächenwasser der Bundesstraße 241. Dieses Wasser wird über unsere Infrastruktur in Richtung der Ortslagen weitergeführt. Bei Starkregen können so innerhalb kurzer Zeit erhebliche Wassermengen zusammenkommen. Die Ereignisse in unserer näheren Umgebung zeigen, was daraus entstehen kann. Wir hatten bisher nur Glück – darauf sollten wir uns für die Zukunft nicht verlassen“, sagt Geschäftsführer Ralf Nattebrede.
Beim ersten, rund 400 Meter langen Vorhaben werden Rückhaltestufen aus heimischem Sandstein angelegt. Die Steinschüttungen sollen zufließendes Wasser abbremsen und in geeigneten, flacheren Grabenabschnitten zeitweise zurückstauen. Sind die Rückhaltebereiche gefüllt, kann überschüssiges Wasser kontrolliert über die Steinschüttungen weiterfließen.
Blühmischung und Sträucher sollen Bereich aufwerten
Gleichzeitig soll der Bereich mit einer mehrjährigen Blühmischung und standortgerechten Sträuchern ökologisch aufgewertet werden. Diese Rückhaltestufen sind dabei nur eine erste Idee. Je nach örtlichen Gegebenheiten sind auch andere Lösungen denkbar. Der Verband möchte praktische Erfahrungen sammeln und daraus einfache, wirtschaftlich vertretbare und auf andere Bereiche übertragbare Lösungen entwickeln.
„Besonders freuen wir uns über die Unterstützung durch die Untere Wasserbehörde und die Naturschutzabteilung des Landkreises Holzminden. Unsere Idee ist dort von Beginn an auf große Offenheit gestoßen und konnte gemeinsam ausgearbeitet werden. Dass der Landkreis den Ansatz als geeignet und sinnvoll bewertet und uns darin bestärkt, nun praktische Erfahrungen zu sammeln, freut uns sehr“, so Nattebrede.
Weitere Rückhaltemöglichkeiten auf mehreren Kilometern denkbar
Bewährt sich der Ansatz, sieht der Verband großes Potenzial für eine Weiterentwicklung. Eine erste grobe Auswertung zeigt bereits, dass im Verbandsgebiet auf mehreren Kilometern vorhandener Grabenstrukturen zusätzlicher dezentraler Wasserrückhalt möglich sein könnte. Durch angepasste Grabenprofile, Aufweitungen oder abschnittsweise Rückhaltebereiche könnte so schrittweise ein Netz dezentraler Rückhaltemöglichkeiten entstehen.
Damit ließen sich Starkregenvorsorge, Wasserrückhalt und ökologische Aufwertung miteinander verbinden – und zugleich die Vorsorge für die Bewohnerinnen und Bewohner der tiefer gelegenen Ortslagen Lauenförde und Würgassen verbessern. Eine solche Weiterentwicklung kann der Verband allerdings nicht allein aus eigenen Mitteln finanzieren. Die erste Maßnahme wird mit viel Eigenleistung umgesetzt. Für eine Ausweitung auf weitere Bereiche wäre entsprechende finanzielle Unterstützung notwendig.
Fördermittel können dafür nicht eingesetzt werden
Für Maßnahmen zum Wasserrückhalt in der Landschaft wäre es möglich gewesen, auch bereits bewilligte Mittel aus dem Förderprogramm „Klimaschutz im ländlichen Raum“ zu nutzen. Ein entsprechender Ratsantrag aus dem Jahr 2025 sah unter anderem wirksame Maßnahmen zur natürlichen Wasserrückhaltung in der Landschaft vor – und damit genau solche Ansätze, wie sie nun vom Wasser- und Bodenverband erprobt werden.
Die Ratsmehrheit in Lauenförde änderte den Antrag jedoch dahingehend ab, dass diese Maßnahmen nicht über das bewilligte Klimaschutzprogramm finanziert werden sollten. Die Fördermittel sind damit zwar vorhanden, können hierfür jedoch nicht eingesetzt werden. Der Wasser- und Bodenverband möchte dennoch nicht abwarten und setzt die erste Maßnahme nun selbst um.
„Das Machbare jetzt tun“
Einen vollständigen Schutz vor Starkregen wird es nach Einschätzung des Verbandes nicht geben. Umso wichtiger sei es aus seiner Sicht, vorhandene Möglichkeiten zu nutzen, Erfahrungen zu sammeln und daraus weitere Maßnahmen zu entwickeln. Für die Vorsitzenden Peter Schmidtmann und Malte Jantzen, den Vorstand und Geschäftsführer Ralf Nattebrede gilt deshalb: nicht abwarten, bis etwas passiert, sondern „das Machbare jetzt tun“.
Foto: Wasser- und Bodenverbandes Lauenförde