Kreis Höxter (red). Der Kreis Höxter hat seinen Pflegebericht 2024 veröffentlicht. Die Analyse beleuchtet die vielfältige Pflegeinfrastruktur im Kreis Höxter. Neben stationären Pflegeeinrichtungen gehören dazu ambulante Pflegedienste, Tagespflegeangebote sowie weitere Unterstützungs- und Beratungsangebote. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass die Pflege angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels vor großen Herausforderungen steht.
Grundlage des Berichts sind aktuelle Angebots- und Nachfragedaten sowie ein umfangreicher Beteiligungsprozess. „Dazu gehörten unter anderem die Befragung von Seniorenhaushalten, Expertengespräche sowie Befragungen ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen im Kreis Höxter“, erklärt Anja Lücke, Leiterin der Abteilung Alter, Pflege und Heimaufsicht des Kreises Höxter. „Die Analyse zeigt, dass der Kreis Höxter über eine gut ausgebaute und vielfältige Pflegeinfrastruktur verfügt. Zum Zeitpunkt der Berichtserstellung standen 22 vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 1.579 Plätzen zur Verfügung. Ergänzt wurde das Angebot durch 14 Tagespflegeeinrichtungen mit 224 Plätzen sowie 220 Plätzen in der Kurzzeitpflege, darunter 30 solitäre Kurzzeitpflegeplätze.“
Darüber hinaus standen für Menschen mit Behinderungen zwölf Angebote der Eingliederungshilfe mit über 500 Plätzen zur Verfügung. Ergänzt wird die Versorgungslandschaft durch alternative Wohn- und Betreuungsformen, beispielsweise selbst- und anbieterverantwortete Wohngemeinschaften. „Insgesamt verdeutlicht die Vielzahl der Angebote die Komplexität der Pflege- und Unterstützungsstruktur im Kreis Höxter. Da sich das Angebot kontinuierlich weiterentwickelt, unterliegen die dargestellten Zahlen einem ständigen Wandel. So hat seit der Datenerhebung bereits eine weitere Tagespflegeeinrichtung ihren Betrieb aufgenommen“, so Abteilungsleiterin Lücke.
Eine wichtige Datengrundlage des diesjährigen Pflegeberichts des Kreises Höxter ist eine repräsentativ angelegte schriftliche Befragung von rund 5.000 Haushalten von Seniorinnen und Senioren im Kreisgebiet. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die meisten Menschen möchten auch dann möglichst lange in ihrem vertrauten Zuhause leben, wenn sie pflegebedürftig werden.
„Dieser Wunsch spiegelt sich bereits heute in der Versorgungsstruktur wider. Von den 9.995 pflegebedürftigen Menschen im Kreis Höxter (ohne Pflegegrad 1) bezogen Ende 2023 rund 58 Prozent Pflegegeld und wurden überwiegend im häuslichen Umfeld versorgt. Weitere 28 Prozent wurden durch ambulante Pflegedienste betreut. Lediglich rund 14 Prozent wurden stationär versorgt“, erläutert Benny Baron von der Abteilung Alter, Pflege und Heimaufsicht beim Kreis Höxter und Geschäftsführer des Netzwerkes Pflege.
Gleichzeitig verdeutlicht der Bericht, dass die Pflege in den kommenden Jahren vor erheblichen Herausforderungen stehen wird. Zwar ist die Einwohnerzahl des Kreises Höxter zwischen 2011 und 2024 um rund 3,9 Prozent auf etwa 139.250 Menschen gesunken. Gleichzeitig ist der Anteil der über 64-Jährigen im selben Zeitraum von 20,9 auf 24,9 Prozent gestiegen. Damit wird der Bedarf an Pflegeleistungen in den kommenden Jahren weiter steigen.
„Bereits zwischen 2017 und 2023 ist die Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis Höxter um 45 Prozent auf knapp 10.000 Menschen angestiegen. Nach den Prognosen wird die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2045 zwar um weitere rund 11,3 Prozent sinken, die Zahl der pflegebedürftigen Menschen jedoch gleichzeitig um rund 22 Prozent auf mehr als 12.200 ansteigen“, macht Abteilungsleiterin Anja Lücke deutlich. Besonders stark werde voraussichtlich die Nachfrage nach ambulanten Sachleistungen (+29 Prozent) sowie nach vollstationären Pflegeplätzen (+34 Prozent) wachsen.
Hinzu kommen die Herausforderungen durch den Fachkräftemangel, steigende Kosten und die derzeit diskutierte Reform der Pflegeversicherung. Aus Sicht des Kreises ergeben sich daraus insbesondere Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen Finanzierung der ambulanten Pflege sowie der Ausgestaltung der Unterstützungsleistungen für Menschen mit Pflegegrad 1.
Positiv bewertet der Pflegebericht hingegen die Entwicklung der Ausbildung. „Mit dem Bildungs-Institut für Pflegeberufe (BIP) in Warburg-Rimbeck ist neben dem Bildungszentrum Weser-Egge in Brakel ein weiterer Ausbildungsstandort entstanden. Dadurch wird die wohnortnahe Ausbildung zur Pflegefachkraft weiter gestärkt und die Gewinnung von Fachkräften für die Region erleichtert. Hinzu kommt, dass die generalistische Pflegeausbildung inzwischen mit einer attraktiven Ausbildungsvergütung verbunden ist und jungen Menschen gute berufliche Perspektiven eröffnet“, sagt Benny Baron vom Kreis Höxter.
„Wir können froh sein, dass wir im Kreis Höxter über engagierte Menschen und gut funktionierende Strukturen verfügen. Das Netzwerk Pflege bringt die unterschiedlichen Akteure zusammen und sorgt für einen regelmäßigen Austausch. Besonders die ambulanten Pflegedienste und Tagespflegeeinrichtungen arbeiten eng miteinander. Auch das Palliativnetz im Kreis Höxter ist seit vielen Jahren eine verlässliche Größe. Mit der neu eingerichteten Seniorenvertretung haben wir zudem eine weitere Möglichkeit geschaffen, die Interessen älterer Menschen noch stärker einzubringen. Diese gewachsenen Strukturen sind eine große Stärke unseres Kreises. Sie zu erhalten und weiterzuentwickeln, bleibt eine gemeinsame Aufgabe“, so Landrat Michael Stickeln.
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