Corvey (TKu). Nach intensiven Vorbereitungen beginnt am nächsten Freitag, den 28. August, das Via Nova Kunstfest Corvey 2026. An drei Wochenenden, vom 28. bis 30. August, vom 4. bis 6. September sowie vom 11. bis 13. September, versammelt das Kunstfest bereits zum neunten Mal international renommierte Künstlerinnen und Künstler im ehemaligen Benediktinerkloster Corvey. Im Mittelpunkt des diesjährigen Festivals steht eine Frage, die kaum aktueller sein könnte: Wie lassen sich Gleichheit und Menschenwürde bewahren und immer wieder neu erringen? Das Motto „Tout Moun Se Moun – Jeder Mensch ist gleich“ ist dem Leitspruch der haitianischen Revolution entlehnt. „Gleichheit und Menschenwürde müssen immer wieder neu errungen und verteidigt werden“, sagt die künstlerische Leiterin Brigitte Labs-Ehlert.
Das Programm knüpft dabei unmittelbar an die Geschichte Corveys an. Ausgangspunkt ist unter anderem die mehr als 1000 Jahre alte Lebensbeschreibung Hathumods, der ersten Äbtissin von Gandersheim. Verfasst wurde sie von einem Corveyer Mönch. Hathumod verzichtete auf persönliche Privilegien und setzte in ihrem Damenstift schon zu ihrer Zeit auf Freiheit und Gleichheit. Aus solchen historischen Zeugnissen entwickelt das Kunstfest Fragen, die bis in die Gegenwart reichen, heißt es von den Organisatoren. Neben den etablierten Formaten von Lesung und Konzert gibt es in diesem Jahr auch Neues zu entdecken. Erstmals stehen Korrespondenzlesungen auf dem Programm. Hinzu kommen drei Exkursionen zu Orten, die historisch mit Corvey verbunden sind. Sie führen in die Klöster Brunshausen und Hardehausen sowie in das Stift Fischbeck.
Ein Höhepunkt des Festivals dürfte der legendäre Monolog der Molly Bloom aus James Joyces „Ulysses“ werden, heißt es von den Organisatoren weiter. Die Rolle übernimmt die Schauspielerin Barbara Nüsse. Vor 40 Jahren brachte sie den Monolog erstmals auf die Bühne. Nun wird sie ihn im Alter von 82 Jahren ein letztes Mal spielen. Molly Bloom stehe dabei für eine Frau, die sich gegen die Rollenbilder ihrer Zeit auflehnt und das einfordert, was vor allem Männern zugestanden wurde: Gleichberechtigung, Liebe und Verlangen. Auch die Liste der beteiligten Künstlerinnen und Künstler sei hochkarätig. Zu Gast sind unter anderem die Schauspielerinnen und Schauspieler Martina Gedeck, Katharina Thalbach, Marina Galic, Andrea Sawatzki, Johanna Wokalek, Jens Harzer, Martin Wuttke und Ulrich Noethen. Mit Anja Kampmann und Marcel Beyer sind zudem renommierte Autorinnen und Autoren vertreten. Das musikalische Programm gestalten unter anderem Alice Sara Ott, Michael Barenboim, Nils Mönkemeyer, Valer Sabadus, die Tallis Scholars, das Kronos Quartet und das Detmolder Kammerorchester.
Eröffnet wird das Kunstfest mit einer Rede der Schriftstellerin Anja Kampmann. Für sie kann Literatur einen besonderen Blick auf die Welt eröffnen: Sie sei in der Lage, „nicht nur offen für die Wunden der Zeit“ zu sein, sondern auch deren Schönheiten zu benennen. Gerade in der Literatur könne man zudem eine Intensität finden, „für die wir im Alltag keine Kraft haben“. Dass das Festival gerade in Corvey stattfindet, ist dabei mehr als eine historische Kulisse. Das rund 1200 Jahre alte ehemalige Benediktinerkloster, das heute zum UNESCO-Welterbe gehört, bildet jedes Jahr die Inspirationsquelle für das Programm. „Ich finde es spannend, von den hier zu entdeckenden historischen Zeugnissen aus Fragen zu entwickeln, die fürs Heute brisant sind“, erklärt Brigitte Labs-Ehlert.
Programm und Karten gibt es hier:
Das ausführliche Programm gibt es unter der E-Mail-Adresse www.corvey.de/programm/via-nova-kunstfest-corvey. Kartenreservierungen sind über die E-Mail-Adresse
Archivfoto: Thomas Kube