Höxter (red). Mit lang anhaltendem Applaus, sommerlichem Wetter und einer außergewöhnlichen Atmosphäre endete am Sonntag das erste WindMusicLab im Atrium des Mauergartens des Botanischen Gartens der TH OWL. Rund 150 Besucherinnen und Besucher erlebten ein Konzert, das eindrucksvoll zeigte, wie Musik, Wissenschaft und gesellschaftlicher Austausch miteinander verbunden werden können.
Unter der musikalischen Leitung von Björn Zimmermann präsentierte das eigens für das Projekt gegründete WindMusicLab-Orchester ein Programm mit Meilensteinen der britischen Blasorchesterliteratur. Den Auftakt bildete Kenneth J. Alfords Marsch H.M. Jollies, bevor Gustav Holsts berühmte First Suite in E-flat und Second Suite in F erklangen. Ergänzt wurde das Konzert durch Ralph Vaughan Williams' Sea Songs sowie Edward Elgars bewegendes Nimrod aus den Enigma Variationen. Durch das Programm führte Initiator Stefan Balke, der die musikalischen Werke mit historischen Hintergründen und unterhaltsamen Anekdoten verband. So entstand eine kurzweilige Reise durch die Anfänge der britischen Blasorchestertradition und die Entstehung jener Werke, die bis heute zum Kernrepertoire sinfonischer Blasorchester gehören.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Grußworten von Klaus Maas von der Technischen Hochschule OWL sowie Bürgermeister Daniel Hartmann, die beide die Bedeutung solcher Projekte für die Region und den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft hervorhoben. Ein besonderer Programmpunkt war der Vortrag von Meinard Müller von den AudioLabs Erlangen. Anschaulich und unter Zuhilfename des Orchesters zeigte er, wie moderne Musikinformatik und Künstliche Intelligenz heute eingesetzt werden können, um Musik besser zu analysieren, zu verstehen und neue Werkzeuge für Musikerinnen und Musiker zu entwickeln. Damit wurde deutlich, dass Forschung nicht nur im Labor stattfindet, sondern unmittelbar mit kultureller Praxis in Verbindung treten kann.
Im Anschluss verwandelte sich der Mauergarten in einen lebendigen Ausstellungs- und Begegnungsort. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, Wissenschaft selbst auszuprobieren. Besonders großes Interesse weckten interaktive Stationen zur Visualisierung von Klängen mittels Spektrogrammen, an denen verschiedene Instrumente untersucht werden konnten. Axel Berndt vom kreativInstitut.OWL präsentierte einen eigens entwickelten Orgel-Arpeggiator und gab Einblicke in computergestützte Musikgestaltung. Die Promovierenden des Standorts Höxter Katharina Pilar von Pilchau und Alexandra Schäfer stellten aktuelle Forschungsprojekte vor und kamen mit den Gästen ins Gespräch. Für zusätzliche Begeisterung sorgte Mathias Rodemeier, der eine Wasserdrohne präsentierte, mit der Gewässer kartiert und Strömungen vermessen werden können.
Bei Kaffee und Kuchen sowie zahlreichen Gesprächen zwischen Musikerinnen und Musikern, Forschenden und interessierten Bürgerinnen und Bürgern klang der Vormittag in entspannter Atmosphäre aus. Viele Besucher nutzten außerdem die Gelegenheit, den Botanischen Garten zu erkunden und mit den Beteiligten über Musik, Wissenschaft und neue Technologien ins Gespräch zu kommen.
Das WindMusicLab war weit mehr als ein Konzert. Das Projekt zeigte beispielhaft, wie kulturelles Engagement, wissenschaftliche Forschung und regionale Zusammenarbeit neue Impulse für den ländlichen Raum schaffen können. Amateurmusikerinnen und Amateurmusiker arbeiteten über mehrere Probenphasen gemeinsam an anspruchsvoller Blasorchesterliteratur, während gleichzeitig Mehrspuraufnahmen entstanden, die künftig als Grundlage für Forschungsprojekte in der Musikinformatik dienen werden.
Für die Organisatoren ist das erfolgreiche Matineekonzert daher erst der Anfang. Die große Resonanz des Publikums und die positive Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Wissenschaft und Amateurmusik machen deutlich, welches Potenzial in diesem neuen Veranstaltungsformat steckt. Langfristig soll das WindMusicLab den Grundstein für ein Blasmusikzentrum Höxter legen – einen Ort, an dem Musik, Forschung und Bildung dauerhaft zusammenfinden und sich gegenseitig bereichern.
Foto: Michael Fromme