Hamelner Rattenfänger Michael Boyer folgt in Mähren den Spuren einer 700 Jahre alten Geschichte
Lesedauer: 4 Minuten
Hameln NewsEine mehr als 700 Jahre alte Spur führt den Hamelner Rattenfänger Michael Boyer nach Mähren und zu einem besonderen deutsch-tschechischen Kunstprojekt.
Hameln (red). Könnten Menschen aus dem Raum Hameln vor mehr als 700 Jahren dem Rattenfänger bis nach Mähren gefolgt sein? Mit dieser historischen Spur beschäftigte sich jetzt ein besonderes deutsch-tschechisches Projekt: Der Rattenfänger von Hameln, dargestellt von Michael Boyer, reiste nach Tschechien, um die Entstehung des Kunstpfades „Der Weg“ zwischen untergegangenen Dörfern in Mähren zu begleiten.
Eine historische These führt von Hameln bis nach Mähren
Der Historiker Wilhelm Wann vertrat die These, dass die Kinder von Hameln dem Rattenfänger nach Mähren gefolgt seien. Dabei brachte er die mögliche Auswanderung mit Bischof Bruno in Verbindung, der Menschen aus seiner Heimat zur Besiedlung des Landes geholt haben soll. Diese historische Überlieferung bildet einen Ausgangspunkt für die heutige Auseinandersetzung mit den Spuren der Besiedlung.
Deutsch-tschechische Kooperation verbindet Geschichte und Kunst
Der Besuch des Hamelner Rattenfängers war zugleich eine weitere Etappe einer Erasmus+-Kooperation zwischen der Barvinek-Gemeinschaft und der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT). Sechs Tage lang standen geführte Wanderungen, Gespräche mit Historikern und Archäologen, Kunstworkshops, Geschichtenerzählen und Lagerfeuerabende auf dem Programm. Parallel entstand ein neuer Land-Art-Pfad.
„Visuelle Kunst ist ähnlich wie Musik eine universelle Sprache, die weder Dolmetscher noch eine bestimmte Bildung braucht“, sagt Hynek Skoták, bildender Künstler und Vorsitzender des Vereins Káznice Studios. Gemeinsam mit Marie Horáková und Zuzana Aligerová gehört er zum Kern des Organisationsteams.
Archäologie und Kunst lassen die Vergangenheit sichtbar werden
Archäologen und Künstler hätten dabei mehr gemeinsam, als zunächst zu vermuten sei: Beide benötigten Vorstellungskraft, um aus wenigen erhaltenen Spuren ein Bild der Vergangenheit entstehen zu lassen.
Auf dem Weg zwischen den untergegangenen Dörfern Hamlikov und Bystrec präsentierten schließlich am Freitag der Rattenfänger und das Projektteam verschiedene vergängliche Installationen und erzählten Geschichten rund um die Besiedlung der Region. Dutzende Familien folgten dem Rattenfänger auf „Der Weg“ und griffen damit auf besondere Weise die jahrhundertealte Überlieferung auf.
Michael Boyer sieht mögliche Verbindung zum Weserbergland
„Es ist durchaus anzunehmen, dass Menschen aus dem Weserbergland dort angekommen sind. Was für eine Reise in eine ungewisse Zukunft das gewesen sein muss“, sagt Michael Boyer. „Unser Weg war ein kleines Echo darauf. Ich bin stolz, dass wir ihn verwirklichen konnten.“
Auch nach Abschluss des Festivals bleibt „Der Weg“ bestehen und führt Besucher weiter nach Hamlikov – und damit auf die Spuren einer Geschichte, deren Ursprünge mehr als 700 Jahre zurückreichen.
Foto: Hameln Marketing und Tourismus/Michael Boyer
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Internationales Typ-4-Treffen bringt seltene VW 411 und 412 Anfang September nach Holzminden
Lesedauer: 6 Minuten
Holzminden
Holzminden (mhn). In diesem Sommer verwandelt sich Holzminden wahrlich in ein Mekka für Liebhaber seltener Automobile. Mitte August begeisterte der Isetta-Club mit seinem Jahrestreffen 2026 die Automobil-Enthusiasten der Region. Vom 3. bis 6. September finden die noch selteneren Volkswagen 411 und 412 ihren Weg in die Kreisstadt. Der Verein „VW411-412 Friends e. V.“ lädt in diesem Jahr zum 4. Internationalen Typ-4-Treffen ins Weserhotel Schwager ein.
Nach Vereinsangaben darf sich die Region auf 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit 35 Volkswagen dieses Typs aus den 1960er- und 1970er-Jahren freuen.
Fans dieses Klassikers haben am Freitag, 4. September, ab 16 Uhr die seltene Möglichkeit, die Typen 411 und 412 vor dem Weserhotel Schwager zu bestaunen, wenn zeitgleich der Teilemarkt veranstaltet wird.
Ein Blick auf die Fahrzeuge beim 3. Internationalen Jahrestreffen 2025 in Isny im Allgäu: Anfang September kommen zahlreiche VW Typ 4 nach Holzminden.
Nur noch 205 Fahrzeuge in Deutschland zugelassen
Welch eine Rarität Holzminden Anfang September besuchen wird, macht Vereinspräsident Dr. Hilmar Walde deutlich: „Der zugelassene Gesamtbestand dieser Fahrzeuge beträgt in Deutschland im Jahr 2026 nur noch 205 Fahrzeuge, wir werden also fast 20 Prozent dieser Fahrzeuge vor Ort in Holzminden zu besichtigen haben.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Deutschland, Dänemark, Österreich oder den Niederlanden, wobei die längste Anreise ein Mitglied aus Graz in Österreich hat. Über eine Strecke von rund 1.000 Kilometern wird der Typ 4 auf einem Trailer nach Holzminden gebracht, um an diesem Jahrestreffen teilnehmen zu können. Die zweitweiteste Anreise hat ein Teilnehmer aus Dänemark: Sein VW Typ 4 wird rund 600 Kilometer bewältigen, bevor er im Weserbergland ankommen wird.
Ausfahrten führen nach Hessisch Oldendorf, Einbeck und Wolfsburg
Von der Kreisstadt aus organisiert der internationale Verein mehrere Ausfahrten und Besichtigungen. So dürfen sich die teilnehmenden Vereinsmitglieder unter anderem auf eine Führung durch die Grundmann-VW-Sammlung in Hessisch Oldendorf freuen. Nicht fehlen darf der Besuch der PS.SPEICHER-Erlebniswelt in Einbeck.
Zum Abschluss des Jahrestreffens ist eine Ausfahrt in Richtung Wolfsburg geplant. Dort erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Führung durch das VW-Automuseum und das Motorenkabinett, bevor die Vereinsmitglieder am Sonntag ihre Heimreise antreten.
Mehr als 100 Mitglieder aus elf Ländern
Nach eigenen Angaben sind die „VW411-412 Friends e. V.“ der einzige internationale Verein für Liebhaber des VW Typ 4. Der Verein zählt weltweit mehr als 100 Mitglieder aus elf Ländern. Unter anderem unterstützen sich die Vereinsmitglieder bei der Suche nach Ersatzteilen, beim Austausch technischer Informationen sowie bei Fragen rund um den Erhalt und die Nutzung der seltenen Fahrzeuge. Überdies gibt der Verein eine zweisprachige digitale Vereinszeitschrift heraus.
Vom VW 411 zum VW 412
Der VW Typ 4 wurde von 1968 bis 1974 gebaut. Bei dem Volkswagen handelt es sich um einen Mittelklasse-Pkw mit luftgekühltem Vierzylinder-Boxermotor.
Der VW 411 wurde zunächst im Volkswagenwerk Wolfsburg produziert, bevor seine Fertigung im Juli 1972 auslief. Auch der Nachfolger VW 412 wurde zunächst in Wolfsburg gebaut. Ab August 1973 verlagerte Volkswagen die Produktion jedoch in das Werk nach Salzgitter. Im Juli 1974 lief schließlich der letzte VW 412 vom Band.
Insgesamt wurden rund 370.000 Fahrzeuge des VW Typ 4 produziert. Davon entfielen rund 250.000 Exemplare auf den VW 411.
Seltene VW 411 und 412 beim 3. Internationalen Jahrestreffen der „VW411-412 Friends e. V.“ 2025 in Isny im Allgäu.
Fotos: Laurenz Blanck
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