Northeim (red). Was auf einem Berliner Flohmarkt begann, entwickelte sich am Samstag, 18. Juli, zu einer erfolgreichen Premiere im Heimatmuseum Northeim. Am letzten Tag des Northeimer Weinfestes öffnete das Museum am Münsterplatz erstmals seine Türen für eine Fundschau – und traf damit auf großes Interesse. Mehr als 25 Northeimerinnen und Northeimer nutzten die Gelegenheit, ihre persönlichen Schätze mitzubringen und mehr über deren Geschichte, Herkunft und Alter zu erfahren.
Die Idee zur Fundschau entstand nach einem außergewöhnlichen Flohmarktfund des Northeimers Fabio Peter. In einer unscheinbaren Kiste unter einem Verkaufsstand entdeckte er unter anderem das Oberteil einer römischen Amphore sowie zwei weitere antike Gefäßfragmente. Nach einem Telefonat mit Museumsleiter Dr. Stefan Teuber wurden die Objekte gekauft und fanden schließlich ihren Platz im Heimatmuseum.
Neue Vitrine für besondere Funde
Dort sind die Fundstücke heute in einer neuen Vitrine für besondere historische Objekte zu sehen. Diese soll künftig alle zwei bis drei Monate mit ausgewählten Funden aus Northeim und Umgebung bestückt werden. Ein regionaler Bezug ist ausdrücklich erwünscht, aber keine Voraussetzung.
Im Mittelpunkt der Fundschau stand die fachkundige Einordnung und Datierung der mitgebrachten Objekte. Viele Dinge, die jahrzehntelang unbeachtet auf Dachböden oder in Kellern lagerten, erzählen spannende Geschichten oder besitzen einen bislang unbekannten historischen Wert. Genau diese Geschichten sichtbar zu machen, war das Ziel der Veranstaltung.
Von der Öllampe bis zum Grafenkrug
Die Vielfalt der präsentierten Fundstücke beeindruckte die Besucherinnen und Besucher. Eine alte Familienbibel enthielt schwer lesbare Bleistifteinträge in alter Schrift, die wertvolle Hinweise auf frühere Hochzeiten innerhalb der Familie gaben. Ein unscheinbarer Dachbodenfund entpuppte sich als rund 2.000 Jahre alte römische Öllampe, die vermutlich zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert in den linksrheinischen oder donauländischen Provinzen des Römischen Reiches hergestellt wurde.
Besonders eindrucksvoll war auch ein blau-grau glasierter Westerwälder Krug, der zuletzt als Blumenvase genutzt worden war. Das aufwendig verzierte Gefäß entstand um 1900 als Auftragsarbeit und zeigt unter anderem das Reitersiegel des Grafen Ulrich III. von Württemberg (1290–1344). Auftraggeber war die Grafenfamilie, die mit diesem kunstvollen Stück an ihren berühmten Vorfahren erinnern wollte.
Spannende Geschichten hinter den Objekten
Daneben wurden zahlreiche weitere interessante Fundstücke vorgestellt, darunter Scherben aus dem 19. Jahrhundert, ein Siegelabdruck in Zinn mit dem ältesten Northeimer Stadtwappen, ein walfischförmiger Netzsenker aus Blei aus der Rhumeaue, historische Flurbereinigungskarten aus (Langen-)Holtensen, eine Regensburger Kunstkachel aus den Jahren 1975/76, ein alter Wappenteller, ein Kalender der Brauerei Northeim, ein Messer mit Porzellangriff sowie eine kunstvoll gestaltete Glasarbeit mit farbigen Darstellungen historischer Northeimer Postkarten.
Mindestens ebenso spannend wie die Objekte selbst waren die Geschichten ihrer Besitzerinnen und Besitzer. Viele Besucherinnen und Besucher blieben auch nach der Begutachtung ihrer eigenen Fundstücke im Museum, hörten den Erläuterungen zu weiteren Funden aufmerksam zu und kamen miteinander ins Gespräch. Fabio Peter unterstützte Museumsleiter Dr. Stefan Teuber dabei mit Tablet und Smartphone, sodass nicht nur Vergleichsobjekte gezeigt, sondern häufig auch detaillierte Fragen zu Datierung, Herstellern oder Künstlern direkt beantwortet werden konnten.
Fortsetzung bereits geplant
Die Premiere der Fundschau erwies sich damit als voller Erfolg. Besucherinnen und Besucher sowie Organisatoren waren sich einig, dass die Veranstaltung nicht nur informativ, sondern auch ausgesprochen unterhaltsam war. Einige der vorgestellten Objekte sollen künftig für einen begrenzten Zeitraum in der neuen Bürger-Vitrine des Heimatmuseums ausgestellt werden.
Eine Fortsetzung ist bereits geplant: Die nächste Fundschau findet am Samstag, 19. September 2026, im Rahmen des Northeimer Klostermarktes statt. Die genauen Zeiten werden rechtzeitig über die Presse, soziale Medien und Plakate bekannt gegeben. Das Heimatmuseum freut sich schon jetzt auf viele neugierige Besucherinnen und Besucher – ganz gleich, ob mit einem historischen Schatz oder einfach aus Interesse an der Geschichte.
Foto: Stadt Northeim

