Northeim (lpd). Der Landkreis Northeim hat gemeinsam mit den Städten und Gemeinden ein kreisweites Konzept für Notfall-Anlauf-Punkte erarbeitet. Es legt einheitliche Standards für die Kennzeichnung, Aktivierung und Kommunikation der Anlaufstellen fest. Die Notfall-Anlauf-Punkte sollen der Bevölkerung insbesondere bei länger andauernden Ausfällen von Strom, Telekommunikation oder Trinkwasserversorgung als gut erkennbare und verlässliche Anlaufstellen dienen.
Anlaufstellen bei Ausfällen wichtiger Versorgungssysteme
Stromversorgung, Mobilfunk, Internet und Trinkwasserversorgung sind heute eng miteinander verbunden. Fällt eines dieser Systeme aus, kann dies weitere Bereiche des öffentlichen Lebens beeinträchtigen. So fallen bei einem länger andauernden Stromausfall unter Umständen auch Mobilfunknetze aus. Notrufe lassen sich dann möglicherweise nicht mehr über das eigene Telefon absetzen. Gleichzeitig stehen gewohnte Möglichkeiten, sich über die aktuelle Lage zu informieren, möglicherweise nicht mehr zur Verfügung.
In solchen Situationen dienen die Notfall-Anlauf-Punkte als örtliche Informations- und Meldestellen. Dort können Bürgerinnen und Bürger aktuelle Hinweise erhalten, Hilfegesuche übermitteln oder Notfälle melden. Abhängig von der jeweiligen Lage können außerdem Unterstützungsleistungen koordiniert werden.
Angebote richten sich nach der jeweiligen Lage
Bei einer Störung der Trinkwasserversorgung kann ein Notfall-Anlauf-Punkt beispielsweise als Koordinierungs- oder Ausgabestelle genutzt werden. Welche Angebote konkret zur Verfügung stehen, richtet sich nach dem jeweiligen Ereignis.
„Für die Menschen ist es wichtig, bereits vor einer Krise zu wissen, wohin sie sich im Notfall wenden können. Allein dieses Wissen schafft Orientierung und Sicherheit“, erklärt Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Gleichzeitig können die Anlaufstellen dazu beitragen, verlässliche Informationen weiterzugeben und Gerüchten oder Falschinformationen entgegenzuwirken.
Orange-blaues Symbol kennzeichnet die Anlaufstellen
Ein wesentlicher Bestandteil des gemeinsamen Konzeptes ist ein kreisweit einheitliches Erscheinungsbild. Die vorgesehenen Gebäude werden mit einem orange-blauen NAP-Symbol gekennzeichnet. Teilweise haben die Städte und Gemeinden bereits feste Beschilderungen an den vorgesehenen Gebäuden angebracht. So sollen die Standorte schon im Alltag bekannt und im Ereignisfall schnell wiedererkennbar sein.
Wird ein Notfall-Anlauf-Punkt aktiviert, wird dies je nach Standort zusätzlich durch gut sichtbare Fahnen, Aufsteller, Schilder oder Bauzaunbanner kenntlich gemacht.
Ansprechperson nach einer halben Stunde vorgesehen
Bei einem länger andauernden Stromausfall soll nach einer halben Stunde eine ansprechbare Person am jeweiligen Notfall-Anlauf-Punkt zur Verfügung stehen. Der vollständige Betrieb wird anschließend schrittweise entsprechend der Lage und den örtlichen Möglichkeiten aufgebaut.
Auch die Kommunikation wird kreisweit aufeinander abgestimmt. Der Fachzug Bevölkerungswarnung und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises unterstützt die Städte und Gemeinden bei der Information der Bevölkerung. Die Aktivierung eines Notfall-Anlauf-Punktes kann über das Modulare Warnsystem des Bundes bekannt gegeben werden. Darüber werden unter anderem Warn-Apps und Rundfunkanstalten erreicht. Ist die Telekommunikation bereits eingeschränkt, können ergänzend Lautsprecherdurchsagen eingesetzt werden.
Informationen zu den Standorten im Internet
Dauerhafte Informationen zum System und zu den Standorten der Notfall-Anlauf-Punkte stehen unter www.landkreis-northeim.de/nap zur Verfügung. Aktuelle Warnmeldungen, Lageinformationen und Handlungsempfehlungen veröffentlicht der Bevölkerungsschutz außerdem über die gängigen Warn-Apps, darunter NINA, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes.
Die Notfall-Anlauf-Punkte sind nicht dauerhaft besetzt, sondern werden abhängig von der jeweiligen Gefahrenlage aktiviert. Sie ersetzen zudem nicht die persönliche Notfallvorsorge, bilden im Ereignisfall aber eine wichtige Verbindung zwischen Bevölkerung, Kommunen und Einsatzorganisationen. Die Notfall-Anlauf-Punkte sind nicht mit Wärmestuben oder Notunterkünften zu verwechseln.
Einheitliche Abläufe sollen Krisenfestigkeit stärken
Mit dem gemeinsamen Konzept schaffen Landkreis, Städte und Gemeinden eine verlässliche Grundlage für den Betrieb der Notfall-Anlauf-Punkte. Einheitliche Abläufe, eine klare Kennzeichnung und abgestimmte Informationen sollen dazu beitragen, die Krisenfestigkeit im Landkreis Northeim weiter zu stärken.
Foto: Vogelbein/Stadt Northeim