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Dassel

Relliehausen (zir). Welche Bedingungen braucht ein Unternehmen, um an einem ländlichen Standort weiter wachsen zu können? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Besuchs bei der Hahnemühle FineArt GmbH. Am Donnerstag informierten sich der SPD-Landratskandidat Simon Hartmann und Dassels Bürgermeister Sven Wolter über die Entwicklung des Papierherstellers und die Herausforderungen am Standort Relliehausen.

HR-Manager Cetin Erbek gab zunächst einen Überblick über das Unternehmen. Hahnemühle wurde 1584 gegründet und besteht damit seit 442 Jahren. In den vergangenen vier Jahrzehnten habe sich der Betrieb nach seinen Angaben zunehmend international ausgerichtet. Hinter dem Traditionsunternehmen stünden drei Gesellschafter. Begleitet wurde das Gespräch von Anna Grotenburg aus der Personalabteilung.

Die Produktion befindet sich seit dem Gründungsjahr in Relliehausen, während am Standort Einbeck unter anderem Papier weiterverarbeitet und veredelt wird. Darüber hinaus unterhält das Unternehmen internationale Vertriebsgesellschaften in Frankreich, Großbritannien, den USA, China und Singapur sowie Lagerkapazitäten in den USA und Brasilien. In Deutschland habe Hahnemühle zuletzt durch den Zukauf eines Standorts im Raum Nürnberg-Erlangen investiert. Auch in Relliehausen seien weitere Erweiterungen vorgesehen.

Drei Geschäftsbereiche und internationale Absatzmärkte

Das Unternehmen ist in den Bereichen Künstlerpapiere, digitale Papiere und Life Science tätig. Verkauft werden die Produkte überwiegend an gewerbliche Kunden sowie auch direkt über die eigenen Online-Shops Künstler und Fotografen in 130 Ländern. Nach Angaben Erbeks lag das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum in den vergangenen sechs Jahren bei rund zehn Prozent.

Weltweit beschäftige Hahnemühle derzeit etwa 220 Mitarbeiter. Rund 180 von ihnen arbeiteten in der Region, davon etwa 150 in Dassel und 30 in Einbeck. Ein großer Teil der Belegschaft komme aus dem näheren Umfeld. Rund 80 Prozent der Beschäftigten hätten einen Arbeitsweg von weniger als 30 Kilometern. Zudem ist die Hahnemühle stolz auf lange Betriebszugehörigkeiten im Unternehmen.

Für die Papierherstellung wird eigenes Quellwasser aus artesischen Brunnen genutzt ein absolutes Qualitätsmerkmal der Papiere. Neben herkömmlicher Zellulose aus kontrolliertem, nachhaltigem Anbau verarbeitet Hahnemühle nach eigenen Angaben auch Fasern aus schnellwachsenden Pflanzen wie Agave, Zuckerrohr, Bambus und Hanf. Besonders stark habe sich in den vergangenen Jahren der Bereich Life Science entwickelt. Dort entstehen unter anderem spezielle Papierprodukte und Applikationen für medizinische, diagnostische und wissenschaftliche Anwendungen.

Erbek erklärte, das Unternehmen verstehe sich nicht ausschließlich als Produktionsbetrieb, sondern lege besonderen Wert auf seine international bekannte und geschätzte Marke. Durch die klare Trennung der Geschäftsbereiche für kreative und technische Papiere trete Life Science als eigenständige Business Unit mit einem eigenen Erscheinungsbild auf.

Erreichbarkeit wird zum Standortfaktor

Im Anschluss an die Unternehmensvorstellung richtete Simon Hartmann die Frage an die Firmenvertreter, an welchen Stellen Landkreis und Kommune die Entwicklung des Betriebs unterstützen könnten. Dabei rückte vor allem die Verkehrsanbindung in den Vordergrund.

Aus Sicht des Unternehmens besteht Verbesserungsbedarf bei den Busverbindungen nach Relliehausen. Eine verlässlichere Anbindung könne Beschäftigten den Arbeitsweg erleichtern oder umweltfreundlicher machen und zugleich die Suche nach Fachkräften unterstützen. Auch die allgemeine Erreichbarkeit des Standorts wurde angesprochen.

Wolter verwies in diesem Zusammenhang auf den Wohnungsmarkt. Für die wirtschaftliche Entwicklung reiche es nicht aus, Arbeitsplätze zu schaffen. Benötigt werde zugleich bezahlbarer und verfügbarer Wohnraum in der Nähe der Betriebe.

Der SPD-Politiker Gerhard Melching erklärte, eingeschränkte Mobilitätsangebote könnten das Wachstum von Unternehmen begrenzen. Hartmann brachte die Idee eines Ausbildungswohnheims im Landkreis Northeim in die Diskussion ein. Ein solches Angebot könne Auszubildenden helfen, deren Arbeits- oder Ausbildungsplätze mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen seien.

Lange Verfahren und zusätzliche Kosten

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs lag auf bürokratischen Abläufen. Vertreter des Unternehmens berichteten von langen Zeiträumen, die zwischen einer Planung und ihrer tatsächlichen Umsetzung liegen könnten. Diskutiert wurde, wie Verfahren schneller und verlässlicher gestaltet werden könnten.

Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen kamen zur Sprache. Dabei ging es unter anderem um Leistungsanreize, die Situation der Unternehmen und die Frage, mit welchen Maßnahmen die Bundesregierung wirtschaftliche Probleme angehe. Bewertungen wurden im Gespräch unterschiedlich eingeordnet.

Melching erkundigte sich zudem nach den Folgen der von den USA erhobenen Zölle. Erbek bestätigte, dass diese das Geschäft von Hahnemühle beträfen. Die dadurch entstandenen Mehrkosten hätten teilweise an Kunden weitergegeben werden müssen.

Künstliche Intelligenz spiele im Arbeitsalltag des Unternehmens bislang keine übergeordnete Rolle, hieß es während des Austauschs. In einzelnen Bereichen kommt es bei Hahnemühle jedoch bereits zu begrenzter KI-Nutzung.

Zum Abschluss wurde die Verwendung von Kunststoff bei medizinischen Schnelltests thematisiert. Das Unternehmen regte an, stärker über papierbasierte, alternative Komponenten nachzudenken. Hahnemühle könne nach eigenen Angaben Teile, die bislang aus Kunststoff hergestellt würden, auch auf nachhaltigerer Papierbasis produzieren. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Frauke Heiligenstadt solle dieses Anliegen in die parlamentarische Diskussion einbringen.

Foto: zir


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Eschershausen-Stadtoldendorf

Eschershausen (awin). Der Stadtrat hat den stellvertretenden Stadtdirektor Andreas Fischer am Montagabend abberufen. Alle neun anwesenden Ratsmitglieder stimmten für seine Abberufung. Bürgermeister Friedhelm Bandke bleibt dagegen im Amt. Zwar votierten auch in seinem Fall sämtliche anwesenden Ratsmitglieder für eine Abberufung, die dafür erforderliche Zweidrittelmehrheit konnte aufgrund der Zahl der Anwesenden jedoch nicht erreicht werden.

Die beiden Personalentscheidungen standen im Mittelpunkt der 22. Sitzung des Stadtrates. Wegen des erwarteten Zuschauerandrangs war die öffentliche Sitzung aus dem Stadthaus in die Aula der Grundschule verlegt worden. Dort waren zu Beginn sämtliche Besucherplätze besetzt.

Am Ratstisch blieben dagegen mehrere Plätze frei. Die Mitglieder der Wählergemeinschaft Eschershausen (WGE) nahmen geschlossen nicht an der Sitzung teil. Die Sitzungsleitung übernahm deshalb August-Wilhelm Ritterbusch. Friedhelm Bandke hatte ihn kurz vor Beginn der Sitzung vor dem Gebäude mit dieser Aufgabe betraut.

Die Öffentlichkeit zeigte großes Interesse an der Ratssitzung

Tagesordnungspunkt zu beanstandeten Sachverhalten entfällt

Nicht beraten wurde Tagesordnungspunkt 8. Unter diesem Punkt sollte sich der Rat mit den von der Kommunalaufsicht beanstandeten Sachverhalten bei Mitwirkungsverboten und Vergaben im Zusammenhang mit Andreas Fischer befassen.

Als Grund für die Absetzung des Tagesordnungspunktes wurden in der Sitzung datenschutzrechtliche Bedenken genannt. Zuvor war bei der Stadt Eschershausen ein anwaltliches Schreiben eingegangen. Nach Angaben der Verwaltung konnte dieses aufgrund des kurzfristigen Eingangs vor der Ratssitzung nicht mehr ausreichend geprüft werden. Um mögliche Nachteile für die Stadt Eschershausen zu vermeiden, wurde der Tagesordnungspunkt daher nicht behandelt.

Für Abberufung Bandkes reicht Stimmenzahl nicht

Das Fernbleiben der WGE hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Abstimmung über die Abberufung des Bürgermeisters. Dem Stadtrat gehören 15 Mitglieder an. Für eine Abberufung Bandkes waren zehn Stimmen und damit eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Da lediglich neun Ratsmitglieder an der Sitzung teilnahmen, konnte diese Mehrheit nicht zustande kommen.

Über den Tagesordnungspunkt wurde dennoch abgestimmt. Alle neun anwesenden Ratsmitglieder votierten für die Abberufung Bandkes. Die notwendige Stimmenzahl wurde damit nicht erreicht. Friedhelm Bandke bleibt Bürgermeister der Stadt Eschershausen.

Friedhelm Bandke (2. v. l.) bleibt Bürgermeister von Eschershausen

Rat stimmt geschlossen für Abberufung Fischers

Anders war die rechtliche Ausgangslage bei Andreas Fischer. Stadtdirektor Robert Kumlehn gab während der Sitzung zu Protokoll, dass für die Abberufung des stellvertretenden Stadtdirektors die einfache Mehrheit des Rates erforderlich sei. Alle neun anwesenden Ratsmitglieder stimmten anschließend für Fischers Abberufung.

Vor der Abstimmung begründeten CDU/SPD und FDP ihren Antrag noch einmal. Sie verwiesen dabei auf die Ergebnisse der Prüfung durch die Kommunalaufsicht und die dort beanstandeten Sachverhalte bei Vergaben und Mitwirkungsverboten. Rücktrittsforderungen war Fischer zuvor nicht nachgekommen. Mit den neun Stimmen der anwesenden Ratsmitglieder war seine Abberufung schließlich beschlossen.

Fotos: awin

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