Bad Gandersheim (red). Was wäre, wenn sie sich keine Briefe geschrieben hätten? Diese Frage stellt die Studioproduktion „Love Letters“, die am Freitag, 11. Juli, und Samstag, 12. Juli, jeweils um 19 Uhr auf der Studiobühne im Probenzentrum der Gandersheimer Domfestspiele zu sehen ist.
Mit der Inszenierung des Stücks von Albert R. Gurney in der Regie von Lukas Keller eröffnen die Gandersheimer Domfestspiele die Studiobühne der 67. Spielzeit. Auf der Bühne stehen Kristin Mössinger-Germer und Lothar Germer vom Theater aus der Zwischenzeit. Gemeinsam erzählen sie die bewegende Geschichte von Melissa und Andrew, die über Jahrzehnte hinweg durch ihre Briefe miteinander verbunden bleiben.
Zwei Schauspielende erzählen eine besondere Liebesgeschichte
Intendant Achim Lenz zeigt sich begeistert von der Produktion. Den beiden Schauspielenden gelinge es, die Geschichte so zu erzählen, dass man ihr aufmerksam und gerne folge. Zudem passe das Stück hervorragend zum Motto der diesjährigen Spielzeit „Was wäre wenn“.
„Was wäre, wenn sich Melissa und Andrew nicht nur Briefe geschrieben hätten?“, fragt Lothar Germer. „Wenn sie die vier bis fünf Chancen ergriffen hätten, sich kennenzulernen.“
Die Inszenierung zeigt, wie das Leben der beiden Figuren gleichsam in einer Kiste weiterlebt. Aus dieser holen Kristin Mössinger-Germer und Lothar Germer nach und nach die Geschichte hervor, tauchen immer tiefer in die Welt der Briefe ein und nehmen schließlich die Persönlichkeit der beiden Briefeschreiber an.
Theater mit Nähe und intensiver Atmosphäre
Das Besondere an der Inszenierung: Melissa und Andrew erscheinen nicht selbst auf der Bühne. Stattdessen wird ihre Lebensgeschichte von zwei anderen Menschen erzählt und gemeinsam mit dem Publikum entdeckt. Dadurch entsteht zunächst auch ein Moment der Neugier, wenn die Briefe zweier fremder Menschen gelesen werden und sich deren Lebenswege Stück für Stück entfalten.
Regisseur Lukas Keller sieht darin zugleich die zentrale Frage des Stücks: „Welchen Stellenwert räumen wir der Liebe in unserem Leben ein? Geben wir uns dem einen emotional verbundenen Menschen hin oder lassen wir uns doch von Familie, Freunden oder Beruf beeinflussen?“ Am Ende bleibe für die Zuschauerinnen und Zuschauer die Frage, ob sie dieselben Entscheidungen getroffen hätten.
Die Aufführung findet in der intimen Atmosphäre der Studiobühne statt. Ohne großes Bühnenbild und mit unmittelbarer Nähe zum Publikum entsteht ein intensives Theatererlebnis, das die Gefühlswelt der Figuren besonders eindrucksvoll erlebbar machen soll.
Theater aus der Region auf der Studiobühne
Kristin Mössinger-Germer und Lothar Germer spielen seit vielen Jahren gemeinsam Theater. Nach ihrer Arbeit in einer Theatergruppe begannen sie 2015 mit eigenen Produktionen. 2020 spielte Lothar Germer die Titelrolle in „Judas“, inszeniert von Kristin Mössinger-Germer.
Nach einer Gastinszenierung von „Alte Liebe“ entstand der Wunsch, selbst „Love Letters“ auf die Bühne zu bringen. Beide reizt insbesondere die intensive Figurenarbeit und das Hineinversetzen in unterschiedliche Charaktere. „Mit Hilfe eines guten Regisseurs ist es dann die Aufgabe, sich zu trauen zu zeigen, was man bei der Figurentwicklung in sich selbst dazu gefunden hat“, sagt Lothar Germer.
Lukas Keller betont: „Kristin Mössinger-Germer und Lothar Germer gehören zu denen, die nicht nur auf der Bühne stehen wollen, um etwas zu spielen, sondern weil sie etwas zu erzählen haben.“
Weitere Produktionen bis Mitte August
Unter dem Motto „Was wäre wenn“ zeigen die Gandersheimer Domfestspiele noch bis zum 16. August vor der Stiftskirche die Produktionen „Die acht Frauen“, „Come together – die große Beatles-Show“, „Hello, Dolly!“ sowie das Kinder- und Familienstück „Pinocchio“.
Auf der Studiobühne stehen außerdem „Das Bildnis des Dorian Gray“, „Pure Piaf – Edith, ihr Leben, ihre Chansons“ sowie „Love Letters“ auf dem Programm.
Eintrittskarten gibt es über die Kartenzentrale der Gandersheimer Domfestspiele, Stiftsfreiheit 12, telefonisch unter 05382/9553311, per E-Mail an
Foto: Julia Lormis
