Brakel-Höxter (TKu). „Dies ist mal eine wirklich schöne Geschichte mit Happy End in diesen kurzlebigen Smartphone-Zeiten“ weiß Flaschenpost-Finder Sven Sacher zu berichten. Die vor etwa einer Woche in Corvey gefundene Flaschenpost ist wieder an den Schreiber selbst übergeben worden, der mittlerweile volljährig ist. Der Polizeibeamte Sven Sacher war während eines Freizeitausfluges im Gestrüpp nahe der Corveyer Eisenbahnbrücke über eine Flasche mit einem Zettel als Inhalt darin gestolpert. Er öffnete die Flasche und stieß auf den Brief eines damals sechsjährigen Jungen (Lukas Waldhoff aus Brakel). Sacher stellte die Flaschenpost auf seiner Facebookseite online.

Darauf ist wiederum unsere Redaktion vor einer Woche aufmerksam geworden. Unsere Mitarbeiter veröffentlichten den Flaschenpost-Brief auf unseren länderübergreifenden Portalen und bei Facebook. Von den Mitarbeitern des eigenen Betriebes hat die Familie erfahren, das da eine Flaschenpost auf den Namen Lukas Waldhoff aus Brakel gefunden worden sei. Die Mitarbeiter haben den Bericht auf Brakel-News.de gesehen. Nach der Info an die Familie meldete sich die Mutter von Lukas via E-Mail bei unserer Redaktion, woraufhin wir den Kontakt zwischen Sender und Empfänger hergestellt haben. Die Flasche konnte am Montagnachmittag in Höxter übergeben werden. Lukas und sein Vater Frank besuchten Sven Sacher privat, um die Flaschenpost wieder entgegen zu nehmen. Es war gleichzeitig auch der 19. Geburtstag von Lukas Waldhoff. Sven Sacher überreichte Lukas daher nicht nur den Brief aus der Flaschenpost sondern dazu noch ein gerahmtes Foto mit der Flasche und dem Fundort darauf im Sonnenuntergang. Lukas hat sich sehr über diese Aktion gefreut. Erinnern kann er sich nur noch an die Bilder aus dem Brief, die er am 13. Juni 2006 ausgemalt hatte, nicht mehr jedoch an den Wurf in die Aa.

 

Die Flaschenpost war eine Aktion im Rahmen einer Abschlussfeier der sogenannten „Glockenspielgruppe“ in Riesel. Die Flaschenpost warfen die Kinder damals in die Aa, ein 20,6 km langer Nebenfluss der Nethe, die wiederum in der Weser mündet. Eigentlich war Lukas seiner Flasche oftmals sehr nahe, da er in Corvey Bogenschießen trainiert, unweit vom Fundort an der Corveyer Eisenbahnbrücke. „Als wollte sie zu ihm zurück“, sagte Sven Sacher gegenüber unserer Redaktion. Die Tradition, eine wasserdichte Flasche mit einer enthaltenen Botschaft für den Finder darin in einen Fluss zu werfen, war in vergangenen Jahrhunderten sehr verbreitet. Der weltweite Rekord einer Flaschenpost-Reise wurde erst in diesem Jahr geknackt und liegt bei 131 Jahren. Am 21. Januar 2018 wurde am Strand von Wedge Island, nördlich von Perth in Australien, die über 131 Jahre alte Flaschenpost entdeckt. In der Flasche befand sich laut Wikipedia ein gedrucktes Formular in deutscher Sprache, adressiert an die „Seewarte in Hamburg“. Da die Handschrift darauf teilweise lesbar war, konnte das Datum auf den 12. Juni 1886 festgelegt werden. Nach Recherchen des Western Australia Museum in Perth wurde sie von Bord der deutschen Frachtbark Paula in den Indischen Ozean geworfen, um im Rahmen eines langjährigen Projekts der Seewarte, bei dem tausende Flaschen von dazu verpflichteten deutschen Schiffen ausgesetzt wurden, Meeresströmungen zu erforschen. In den heutigen Smartphone-Zeiten ist diese Tradition mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Das sei laut dem Polizeibeamten Sven Sacher, der selbst einen Sohn hat, sehr sehr schade.

 

Fotos: Frank Rolff und Sven Sacher