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Samstag, 21. Oktober 2017 06:58 Uhr

Der Ton wird rauer: Zweite Demo für die Rückholung der Unfallchirurgie nach Höxter Der Ton wird rauer: Zweite Demo für die Rückholung der Unfallchirurgie nach Höxter

Höxter (TKu). Der Ton wird rauer und persönlicher: Mehr als 200 Demonstranten haben sich am Freitagabend in der Höxteraner Innenstadt versammelt, um erneut für die Rückholung der Unfallchirurgie nach Höxter zu demonstrieren. Mit Trillerpfeifen und Plakaten zogen sie von der Oberen Marktstraße bis zur Nikolaikirche, begleitet von zahlreichen Medienvertretern von Lokalpresse über Radio bis Fernsehen. Die Demonstranten unter der Leitung von Ludger Haferkemper stellten klar, das sie keinen Unmut zwischen Brakel und Höxter sähen wollen, sondern der Protest direkt an die Geschäftsleitung der KHWE gerichtet ist.

Viele aufwendig gestaltete Plakate greifen den Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge, Reinhard Spieß, persönlich an. Ihn sehen die Demonstranten als Hauptverantwortlichen für die Umstrukturierung. Laut Haferkemper können derzeit schwerverletzte Patienten, insbesondere nach Arbeitsunfällen, weder in Höxter noch in Brakel behandelt werden. Zu einem Schwerpunktkrankenhaus wie Höxter gehören nach den Meinungen der Demonstranten alle Fachabteilung, die neben der Unfallchirurgie vor allem die Innere-Abteilung, die Neurologie, Kardiologie sowie weitere Abteilungen beinhalten.

Die Verzahnung unter den Fachabteilungen sei nach Meinung Haferkempers sehr wichtig. Haferkemper benennt in seiner Ansprache noch viele weitere Probleme, welche die Umstrukturierung mit sich gebracht habe. Laut Ludger Haferkemper stammen zahlreiche Informationen und Tipps von Insidern aus dem Krankenhausbereich. Viele von Ihnen hätten sich gerne auch an der Demonstration beteiligt, sie haben sich aber dagegen entschieden, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Der Geschäftsführer der KHWE, Reinhard Spieß, hat sich bereits im Vorfeld dieser Demonstration zu den Vorwürfen geäußert. In einem Brief greift er Bürgermeister Alexander Fischer sogar persönlich an. Die laufenden Aktionen der Bürgerinitiative zur Rückholung der Unfallchirurgie nannte Spieß ein Fiasko für Höxter. Der Brief, der Höxter-News.de vorliegt, lautet wie folgt:

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister Fischer,

offensichtlich haben Sie mein Anliegen aus dem gemeinsamen Telefonat vor der Ratssitzung am 12. Oktober 2017, eine sachliche und an den Entscheidungsgründen für die Verlegung der Unfallchirurgie orientierte Diskussion zunächst mit den Ratsvertretern allein zu führen, um dann gemeinsam eine Einbeziehung der Öffentlichkeit zu überlegen, nicht an Ihre Fraktionen weitergegeben und auch durch Ihre Äußerungen der Presse gegenüber eine beispiellose und entstellte Debatte zu einer angeblichen Missachtung des Rates der Stadt durch die KHWE ausgelöst. Zur Klarstellung hier die Fakten, damit sich die Öffentlichkeit ein reales Bild machen kann.

Bereits im Sommer, nachdem Sie in der Presse mit der Aussage, die Verlegung der Unfallchirurgie nach Brakel nicht dulden zu können, zitiert wurden, haben Sie mich gebeten, im Rat zu der Angelegenheit Stellung zu beziehen. Wir sind letztendlich verblieben, dafür einen Termin nach der Sommerpause zu finden. Monatelang habe ich dann von Ihnen nichts mehr gehört in dieser Angelegenheit bis, offensichtlich in Zusammenhang mit der Demonstration Höxteraner Bürger, Sie mich kurz vor der Ratssitzung am 12. Oktober 2017 erneut angesprochen haben. Ich sagte Ihnen sofort zu; als Termin wurde die genannte Ratssitzung vereinbart.

Sachliche Information und Abstimmung mit den Gremien der Stadt dringend notwendig

Meiner Bitte, zunächst im nichtöffentlichen Teil des Rates berichten zu können, begegneten Sie dann mit dem Vorschlag, mit dem Rat gemeinsam zu überlegen, in welcher Form eine sachliche und an den Fakten orientierte Diskussion in der Höxteraner Öffentlichkeit erfolgen solle. Hierüber haben Sie offensichtlich die Fraktionen im Rat nicht informiert. Wie sonst ist es zu erklären, dass kurz vor der Sitzung Anträge der Fraktionen auf Verlegung in den öffentlichen Teil eingereicht wurden und in der Presse eine Welle von negativen Kommentierungen von Ihnen und den Fraktionsvorsitzenden erfolgte? Die Gründe dafür, dass eine sachliche Information und Abstimmung mit den Gremien der Stadt dringend notwendig ist, liegen dagegen doch auf der Hand:

So ist es ein Fiasko für Höxter, dass Höxteraner Bürger ohne jede Kommentierung von Bürgermeister und Ratsvertretern mit Forderungen wie ,Aus dem Brakeler Krankenhaus kann man ja ein Altenheim machen? Unfrieden zwischen den Nachbarstädten säen und das erfolgreiche Konzept der KHWE negieren, mit dem es gelungen ist, alle Krankenhäuser im Kreis zu erhalten und besonders im St.-Ansgar-Krankenhaus zahlreiche neue Abteilungen und auch Arbeitsplätze zu etablieren. Zu den neuen Angeboten, die wir am Standort Höxter in den vergangenen Jahren geschaffen haben, gehören die Kardiologie, die Onkologie, die Strahlentherapie, die Klinik für Gefäßchirurgie und endosvaskuläre Chirurgie ebenso wie das Facharztzentrum.

Mitarbeitende der KHWE fühlen sich massiv beleidigt, Menschen aus den restlichen Städten des Kreises Höxter fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Doch das St.-Ansgar-Krankenhaus braucht genau diese Region, denn die Patienten der Medizinischen Kliniken, der Chirurgie, der Neurologie, der Pädiatrie, der Urologie, der Strahlenmedizin, der Palliativmedizin und der Gynäkologie und Geburtshilfe stammen aus dieser Region, nicht nur aus der Stadt Höxter.

Die Stadt Höxter wäre stattdessen gefordert, ihren Betrieben des Gesundheitswesens und der Höxteraner Wirtschaft Unterstützung zu geben, Möglichkeiten dafür gibt es genug. In anderen Städten bilden sich Fördervereine an den Krankenhäusern, um Mittel beispielsweise für Mutter-Kind-Stationen zur Verfügung zu stellen und den weiteren Aufbau des Krankenhauses zu unterstützen. Im Sinne eines weiteren Ausbaus der Gesundheitsversorgung im Kreis Höxter und insbesondere in der Kreisstadt Höxter fordern wir Sie auf, einen konstruktiven Kurs einzuschlagen und den vorhandenen Einrichtungen, auch den Verbundeinrichtungen in den Nachbarstädten, Unterstützung zu leisten, statt Gegenwind zu bringen."

Fotos: Thomas Kube

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